Full text: Volume (Bd. 3 (1856))

Kuntze: Die Obligation und die Singularsuccession.

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ständniß des gefundenen. Der Verf. tritt hiermit der P u ch t a' schen
Definition bei, wonach die Obligation das Recht einer Person an
der Handlung einer andern ist. Die Angriffe von Brinz auf diese
Formel werden abgeschlagen, Brinz's eigene Versuche, den Begriff
der Obligation zu bestimmen, angesochten. Dann wird eine nähere
Prüfung der angenommenen Theorien angestellt, und mit besonderem
Nachdruck hervorgchoben, daß die Handlung das Rechtsobject der Obli-
gation sei. §. 6 versucht nachzuweisen, daß auch die Römischen
Juristen nahe daran gewesen, die Obligation als Recht an einer
Handlung zu bezeichnen.
ES sei vergönnt, hieran einige Bemerkungen zu knüpfen. Zwei-
fellos muß wer das Obligationenrecht mit Erfolg bearbeiten will, den
Begriff der Obligation erkannt haben; nicht minder gewiß ist, daß
nur der einen Begriff genügend erkannt zu haben behaupten darf, der
das erkannte in Worten auszudrücken vermag. Man kann außerdem
zugcben, daß unter gleich verständlichen und gleich bezeichnenden Aus-
drücken stets der kürzeste den Vorzug verdient. Aber daß für den
Begriff der Obligation, so wie für alle anderen rechtlichen Begriffe,
kurze, daS Wesen derselben erschöpfende Ausdrücke gefunden werden müß-
ten oder gefunden werden könnten, das ist zu bestreiten. Bei unserem
Verf. zeigt sich zweierlei Streben, den Begriff der Obligation zu erkennen
und den erkannten Begriff in eine schulgcrechte Formel zu zwängen; aber
der Verf. ist sich dieser Zweiheit nicht bewußt, er vermengt beides mit ein-
ander und macht dabei daS Wesentliche zur Nebensache. Den Begriff
zu kennen, daran liegt ihm weniger als an der Formulirung. So
hier, und ebenso bei den andern Fragen, die er behandelt. Formeln
sind cs, denen er nachjagt, und Formeln gefunden zu haben, das
ist sein Stolz. Wir müssen die Formel suchen, damit stachelt er
sich und seine Leser an, und nicht eher giebt er sich zur Ruhe, bis
er ausrufen kann: „Das ist die Formel."
Der Verf. folgt hierbei einer der schlechten Moden seiner Zeit.
DaS Haschen nach Formeln und Definitionen ist Modesache geworden.
Schon oben ist ausgesprochen, daß das Streben nach kurzen und prä-
cisen Begriffsbestimmungen nicht zu tadeln ist. Aber dieses Streben
ist von der Jagd nach Definitionen wohl zn scheiden. Verlangen wir von
einer Definition nicht mehr, als daß sie einen Begriff von allen ähnlichen
sicher abgrenze, dem Verlangen mit wenig Worten zu entsprechen
ist wohl überall möglich. Aber unsere Definitionen sollen das We-
Krit. Zeitschrift für gesammle Rt'chlow. IV. Br. ZI

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