Full text: Volume (Bd. 3 (1856))

HinschiuS: DaS landeShrrrliche Patronatrccht. 429
Herkommen, wie z. B. an eine Mode, uns binden, und zwar oft sogar
wenn sie uns lästig wird? doch wohl nur so beantwortet werden,
daß dies zunächst lediglich um unserer selbst willen geschehe. Im
niedrigsten Sinne ist es die eigene Eitelkeit, im höheren die
eigene, sei es richtig oder falsch begriffene Ehre, d. h. das Bewußt-
sein unseres wahren moralischen oder blos eingebildeten Werthes,
im höchsten das eigene Gewissen des Menschen, wodurch er hier
zum Wollen und Handel» angetrieben wird. Woraus aber entspringt
denn jene Eitelkeit selbst? doch wohl ans nichts Anderem als daraus,
daß wir in der öffentlichen Meinung eine Befriedigung, eine Genug-
thuung für den Zwang suchen, den wir zunächst uns selbst aufer-
legen. Also die öffentliche Meinung, die Meinung der Gesammt-
h e i t ist eS demnächst, der wir hier uns unterwerfen, und eben diese
Autorität erkennen wir auch an, wo Ehre in Frage steht. Aber
nur da, wo wir eine solche Abstraction, aus der noch keine
wahre Verpflichtung entspringen kann, zurückführcn auf die
Alles verknüpfende Einheit der Gottheit selbst, und
hiermit auf eine ReligionsPflicht, läßt sich von einer wahren
Gewissenspflicht und von Sittlichkeit im höchsten Sinne
des Wortes oder von Moral reden. Jede Sclbstvcrpflichtung deS
Menschen ist nur insofern eine wahre Moralpflicht, inwiefern sie sich
anlehnt an eine Religionspflicht oder an eine Pflicht gegen den Einen,
der in Allem, in jedem Atome, wie in uns selbst gegenwärtig
und allwaltend ist. — Endlich steht aber auch das Recht in einer
ähnlichen Beziehung zur Moral und zur Religion, wie
jene, nach dem Bishcrgcsagtcn, zu dieser. Zwar kann vom Rechte
nur da die Rede sein, wo der Mensch als solcher im äuße-
ren Verkehre in unmittelbaren Verhältniffen zu seinen Mit-
menschen, und diesen gegenüber zu den Dingen der physischen
Schöpfung so steht oder cintritt, daß er Erstcren zunächst nicht nur
um seiner selbst willen verpflichtet ist, sondern weil ein vollkommen
begründeter Anspruch in der Person eines Dritten
ihm entgegensteht, der, — abgesehen von seiner Selbstverpflichtung, —
hinreicht, ihn an seine Pflicht zu binden; oder daß umgekehrt er selbst
einen solchen Anspruch geltend zu machen hat, der einen Andern,
und sogar, wie bei dem Eigenthume, alle Andere in ähnlicher Weise,
— abgesehen von ihrer Selbstverpflichtung gegen sich, — vielmehr ihm
verpflichtet. Denn das Recht des Einen ist hier gleichsam der

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