Full text: Volume (Bd. 3 (1856))

Hin schtuS: Das landeShrrrlicht Pattonatrrcht.

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Negierungen und dem päpstlichen Stuhle getroffenen Vereinbarungen
über das Patronatrecht, wie überhaupt über die Verhältniffe der
Kirche zum Staate.

Nach dem bisher blos refcrirend gegebenen Ueberblicke über die
Arbeit unseres Vers, können wir jedoch nicht umhin, die hier sich
darbietcnde Gelegenheit zu benutzen, um auch selbst noch einige Be-
merkungen zur richtigen Beurtheilung der landesherrlichen Patronat-
rechte beizufügen, die hier in Frage stehen. — Auch wir gehen dabei
von der Ueberzeugung aus, daß hier thcilö das natürliche Ver-
hält n i ß des Staates und der Kirche gegeneinander, wie es
aus dem Wesen beider sich ergibt, thcilö historische Umstände
in Frage zu ziehen sind. Allein was den ersten Punkt anbctrifft,
scheint es unS nothwendig, — um nicht durch Verwechslung von Be-
griffen zu Trugschlüffen verleitet zu werden, — nicht bei dem Begriffe
des Staates und der Kirche selbst anzufangen, sondern höher, zu
dem Unterschiede zwischen Religion, Moral und Recht hinauf zu
steigen; denn diese Begriffe sind eS, welche aus sehr leicht einzusehen»
den Gründen, nicht selten so mit einander verwechselt werden, daß
man unendlich oft, von dem Recht sprechend, doch im Herzen eigent-
lich die Moral, und von dieser sprechend eigentlich die Religion meint,
oder umgekehrt.
Der wesentliche und richtige Unterschied zwischen Religion,
Moral und Recht ist aber schon mit der Stellung überhaupt gegeben,
die der Mensch als vernünftig-sinnliches Wesen auf Erden hat, und
zu deren Anerkenntnisse er durch sein eigenes Selbstbewußtsein nicht
minder als durch die Erfahrung genöthigt wird. Vermöge dieses
Selbstbcwußtseins nämlich weiß sich der Mensch als geistiges, in
seinem Denken allerdings freies, an die Grenzen von Raum und
Zeit nicht gebundenes, nur sich selbst angehöriges, sein Wollen und
Handeln aus sich selbst bestimmendes Wesen. Denn wenn auch die
Mittel, um Alles was er will in Raum und Zeit zu verwirklichen,
nicht schon von der Natur selbst ihm gegeben oder angeboren sind,
wenn auch zunächst die Natur ihm nur seinen Körper und dessen
Kräfte als solches Mittel dargcboten hat, so trägt er doch in sich
das Bewußtsein, daß er durch den Gebrauch seiner Geisteskräfte
solche Mittel weit über dem Bereich seines blosen Körpers hinaus

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