Full text: Volume (Bd. 3 (1856))

424 HtnschiuS: Das landesherrliche Patronatrecht.
Kirche selbst zurück, deren Vorsteher mit der Regierung dieses Staates be-
traut ist. Wird also das Gut sammt allem Zubehör und ohne besonderen
Vorbehalt von Letzterem reinfeudirt, so muß demnach in Zweifel auch
das Patronatrccht als von Neuem mitverliehen gelten, und selbst
wenn vor dessen Wiederverleihung ein weltlicher Fürst in die lehn-
herrlichcn Rechte des Bischofs succedirt, so muß ihm jedenfalls ebenso,
wie das Reinfeudationsrecht deö kirchlichen Rcichöfürsten überhaupt,
so auch^ das dem Letzteren als solchem zustehende Patronatrccht zu-
fallen. Bei Lehnen, die zur Zeit der Secularisation noch gar nicht
heimgefallen waren, auch wenn sie aus dem eigenen Vermögen der
Kirche selbst herstammten, läßt sich der Uebergang der damit verbun-
denen Patronatrcchte auf die Landesherren am Wenigsten bezweifeln.
Denn wenigstens für die Dauer der Znfcudation haben alle hierin
inbegriffene und mitverliehene Rechte unleugbar die Natur der Lehn-
güter, an denen sie hafteten, d. h. die Natur des Eigenthumsrechtcs
oder der Dinglichkeit, mit welcher sie daher nothwendig auch so, wie
sie zur Zeit der Secularisation bestanden, auf die weltlichen Landes-
herren übergehen mußten.
Bei Filialkirchen, solange deren Verbindung mit der Mutterkirchc
nicht durch ihre Trennung von dieser aufgehoben ist, erstreckt sich
natürlich das Patronatrccht an Letzterer zugleich über Elftere, wenn
sie durch Fundation auf den Gütern der Mutterkirchc in das Filial-
Verhältniß gekommen sind. Auch werden überhaupt die Rechte des
Patrons über die Mutterkirche nicht durch Verbindung einer Filial-
kirche mit jener geschmälert werden dürfen, wie dies z. B. der Fall
sein würde, wenn die Präsentation des Pfarrers, dem in beiden Kirchen
das Amt übertragen werden soll, nicht auch jetzt noch dem Patrone
der Mutterkirche allein Vorbehalten bliebe. Hingegen bei der Trennung
ei-ner Filiale von der Mutterkirche, wobei dem Patrone der Letzteren
nur die Ehrenrechte verbleiben, entscheidet die Art und Weise, wie
die neue Parochte gegründet worden ist, darüber, ob an dieser über-
haupt ein Patronatrccht erworben werde und ob demselben nur eine
persönliche oder dingliche Natur zukomme, oder wem dasselbe zustehe?
Hier kommen also nur die Grundsätze in Betracht, nach denen der
Vers, das Patronatrccht im Allgemeinen beurtheilt wissen will, und
die er schon in allem Vorhergehenden ausführlich besprochen hat.
Endlich im fünften und sechsten Abschnitte gibt er eine Zu-
sammenstellung der seit dem Jahre 1817 zwischen den deutschen

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