Full text: Volume (Bd. 3 (1856))

HinschiuS: Das landesherrliche Patronatrecht. 415
urtheilen. Für das Patronatrecht aber, wenn es nicht entweder aus
einem, über den Grund und Boden, worauf die Kirche steht, oder
die Gebäude geradezu sich mit erstreckenden Eigenthume an einem
herrschenden Gute, oder nicht wenigstens aus einer Beschränkung des
Grundeigenthums, das der Kirche als moralischer Person zusteht,
durch daS Eigenthum am herrschenden Grundstücke erklärt werden
kann, bleibt demzufolge auch nichts von einer dinglichen Natur, son-
dern nur die Erklärung übrig, daß cs dem Fundator einer Stiftung,
der das volle und unbeschränkte Eigenthum an dem dazu erforder-
lichen Grunde und Boden der Kirche selbst überlassen hat, lediglich
als Gegengeschenk zum Danke für seine Liberalität und Frömmigkeit
übertragen sei. Die hieraus entspringenden Rechte aber würden,
wenn sie nicht gar als höchstpersönliche schon mit dem Tode des ersten
Erwerbers, weil nur Dankbarkeit gegen seine Person den Grund dazu
gab, untergehen müßten, doch höchstens an seine leiblichen Nachkom-
men vererben können, aber keineswegs mit seinem Eigenthume an
irgend einem Gute, oder mit einem herrschenden Grundstücke in Ver-
bindung treten, mit welchem sie auf jeden Succestor übergingen. Denn
wie oder woher sollte eine solche Verbindung oder eine Dankbarkeit ge-
gen jeden dritten Besitzer irgend eines Gutes als des herrschenden kom-
men? — Jedenfalls muß also die Sache einen anderen Zusammen-
hang haben, wenn dcmungcachtet eine Verbindung der Art sich doch
nicht in Abrede stellen läßt; doch müssen wir die Untersuchung hier-
über für jetzt noch verspüren, da es uns zunächst nur um Entwicke-
lung der Ansichten unseres Verf. zu thun ist.
Läßt sich dagegen das sogenannte dingliche Patronatrecht aller-
dings nicht blos, — ohne noch gegenwärtig als Ausfluß des Eigenthums-
rechteS gelten zu können, — nur in seinen historischen Gründen (wie
der Verf. nach S. 11 vgl. mit S. 29 zu wollen scheint) auf das
Eigenthum zurückführen, wobei es nach dem Bishergesagten seine ding-
liche Natur jetzt gar nicht mehr würde behaupten können; sondern muß
cö vielmehr auch heutzutage noch wirklich als ein Ueberrcst der Befugnisse
des Eigenthümers als solchem, als eines seiner Eigenthumsrechte an
dem herrschenden Gute, das, wie eine Servitut, über das dienende
sich erstreckt, beurtheilt werden: so stimmen wir dem, was Herr
vr. Hinschius im dritten Abschnitte sagt, im Wesentlichen vollkom-
men bet. Die Succession in das herrschende Gut ist dann aller-
dings der hinreichende Rechtsgrund, um auch die Succession in daS

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