Full text: Volume (Bd. 3 (1856))

Htnschius: DaS landeshrrrltche Patronatrecht. 411
bloße Vergünstigung von der Kirche den Layen gewährt werde. Den-
noch habe das Patronatrecht eine eigenthümliche dingliche Natur auf
germanischem Boden insofern behalten, als es mit dem Grundstücke
unter Lebenden und von Todeswegen auf jeden Erwerber des Gu-
tes übergehe.
Aus Alledem zieht nun der Verf. den Schluß, daß das Patro-
natrecht nicht als rein geistliches Recht beurtheilt werden dürfe,
sondern unter die sogenannten jura spiritualibus annexa gehöre,
und daß es zwar dem Landesherrn, so gut, wie jedem Privatmanne
zustehen könne, aber nicht in seiner Eigenschaft als Staatsoberhaupt,
sondern nur kraft eines besonderen Rechtstitels. Der Begriff eines
landesherrlichen (wahrhaft regalen) Patronatrechts sei erst daraus ent-
sprungen, daß die Fürsten allmälig eine zahllose Menge von Patro-
natrechten durch besondere Rcchtstitcl erworben und die Rechte, die ste
an vielen Orten besaßen, wie dies allerdings bei dem Entstehen der
niederen Regalien, bei dem Forst- und Jagdregale, nicht selten er-
weisbar ist, endlich als allgemeine Rechte geltend gemacht hätten.
Ueberaü habe der germanische Adel, auf seinen meist lehnbaren Höfen,
Anfangs zum Privatgottesdienste, Kapellen und Oratorien errichtet,
die jedoch später zu Pfarrkirchen oft erhoben worden wären, an wel-
chen dem Errichter das Patronatrecht, wie früher an der Kapelle,
verblieben sei. Aus diesem Adel aber hätten sich, mit dem Sinken
der kaiserlichen Macht, die Angesehensten und Begütertsten zu einem
Fürstenstande erhoben, und, seit der Ausbildung ihrer Landeshoheit,
hätten diese, zu den Rechten, die sie als Stifter von Kirchen und
Kapellen bereits besaßen, auch durch Erbgang, Kauf, Tausch u. s. w.
eine Menge neuer Pawonatrechtc von Andern noch hinzu erworben.
Schon hierin also sei ein Grund für die Vereinigung einer großen
Zahl solcher Rechte in der Hand der Landesherren zu finden, und
man kann hinzufügen, daß auch in dem Lehnsverhältniffe selbst ein
Hauptgrund hierzu lag. Denn wenn der Vasall auf seinem Lehn-
gute eine Kirche errichtet und ein Patronatrecht hierdurch erworben
hatte, so mußte dies auch dem fürstlichen Lehnherrn als Obereigen-
thümer zu gut kommen, und bet jeder Lehnseröffnung diesem, mit
dem Gute selbst, heimfallen. Aber auch die niedere oder Schutz-Vog-
tev, die dem Adel oft von Kirchen und Klöstern übertragen und mit
dem Patronatrechte verwechselt wurde, habe oft Veranlassung zu dessen
Erwerbung gegeben. Da jedoch die verschiedenen Rechtstitel, wodurch

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