Full text: Volume (Bd. 3 (1856))

ßcblyter: Corpus Juris Visbyensis urbici et maritimi. 35
gleichfalls von Herzog Heinrich bestätigt sei. Allein die Vorrede
enthält keine Andeutung, daß jenes Uebereinkommen in irgend wel-
cher Beziehung zu den Privilegien der Deutschen Fürsten stehe; in
chronologischer Aufeinanderfolge werden die für die Geschichte der
Stadt wichtigsten Ereignisse erzählt — und wenn in der Borrede das
erstgedachte Uebereinkommen mit dem Ausdruck vredde bezeichnet wird,
während es später heißt, daß Herzog Heinrich „den vrede und
dit recht alse vore sin oldervader Keyser lothar ghegheven hadde“
bestätigt habe, so kann aus dem vieldeutigen Ausdruck vred(d)e auf
die Identität beider Verhältnisse in keiner Weise geschloffen werden.
Weiter berichtet die Vorrede von dm Streitigkeiten zwischm der
Stadt Wisby und der Gothlävdtschen Landbevölkerung, und wie die
Schwedischen Könige und Herzoge der Stadt ihre Rechte und Frei-
heiten bestätigt hätten, bis endlich König Magnus Recht und Frei-
heit erneut und bestimmt habe, daß die Stadt zwei Bücher haben Me:
„en in götensch unde en in dydesch beyde van enem sinne unde
rechte over al to male* unde queme en niye recht dat in dem
boke nicht were* dat soldeman richten also id recht si unde
scriven dat in beide böke nicht umme to kerende* unde gaf
uns dat we hebben scolden en inghesegel van beiden tungfien.“
Der im Beginn dieses Passus erwähnten Streitigkeiten zwischm der
städtischen und ländlichen Bevölkerung — in der Stadt selbst hatte
inzwischen das Deutsche Element das Uebergewicht erlangt, und be-
kanntlich Antheil am Stadtregiment errungen — wird in dem Un-
terwerfungsschreiben vom 12. August 1288 gedacht.*) Die hier an-
geführten, von den Souverainen bestätigten Rechte und Freiheiten sind
vermuthlich wahre städtische und Handels-Privilegien, in dmm viel-
leicht auch ein Ansatz zum eigenen Weichbtldrecht enthalten sein mochte.
Wie die deutschen Kauflmte unzweifelhaft nach dem Recht ihrer
Heimath lebtm, so hatten natürlich auch die Gothländtschm Stadt-
bewohner ihre geschriebenen oder ungeschriebenen Rechtssatzungm;
daß indeffm im Laufe zweihundertjährtgm mgstm Zusammenle-
bms stammverwandter Nationalitätm (wofür unter Anderem die ge-
meinschaftliche Anlage der Nowgoroder Handelsfactorey zeugt),
wUche bald als zwei besondere Gemeinden, bald vereint als Eine
Gemeinde auftretm, bald jede für sich, bald gemeinschaftlich Privile-

*) Lüb. Urkrmdenb. U S. 53—5S.

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