Full text: Volume (Bd. 3 (1856))

380

Stvbbe: Zur Geschichte de- deutschen DertragSrechtS.

Große Schwierigkeit macht bei dieser Untersuchung der Mangel
einer festen, zweifellosen Terminologie. Der Verfasser sagt hierüber
S. 212: „Das römische Recht unterschied ganz bestimmt Dolus,
Culpa lata, Culpa levis, Casus, und stellte für sie ganz feste Begriffe
auf. Das deutsche Recht der früheren Zeit kennt allerdings auch die
Begriffe Casus (Unglück, Unfall, Zufall) und Culpa (Wanhode,
Schuld); aber häufig wird das allgemeine Wort durch die Aufzäh-
lung einzelner Fälle ersetzt und es bedarf nun noch der genaueren
Untersuchung, ob Zufall oder Schuld gemeint sei. Der Begriff von
Schuld und Zufall ist außerdem auch in derselben Rechtsquelle für
die verschiedenen Verhältnisse verschieden, so daß Abstufungen der
Verhältnisse angenommen werden müssen, ohne daß die Quellen selbst
ein Wort dafür darböten."
Die Lehre von Schuld und Zufall findet die häufigste Anwen-
dung bei Vertragsverhältnissen, welche sich auf eine Sache beziehen.
Von solchen handelt daher der Verfasser am ausführlichsten. Er
spricht zuerst über das Tragen des Zufalls in Verträgen, bei denen
Einer eine Sache mit der Verpflichtung erhält, dieselbe zurückzugeben,
vergl. S. 215 ff. Weiter handelt er von Haften für den Casus bet
dem Darlehen (S. 275 ff.) und den Veräußerungsverträgen (S- 277 ff.).
Endlich redet der Verfasser vom Ersatz des zufälligen Schadens, wel-
cher eine Person bei der Ausübung einer Handlung betrifft, zu der
dieselbe durch einen Vertrag verpflichtet ist, S. 285 ff.
Stobbe sucht dann auf der Grundlage der von ihm gesam-
melten Quellenzeugniffe folgende Fragen zu beantworten:
1) Haben die Deutschen einen festen Begriff für Zufall und
Schuld aufgestellt?
2) Gtebt es höhere Principien, aus denen sich für die einzelnen
Vertragsverhältnisse die Haftung für den Zufall ablciten läßt?
Hinsichtlich der ersten Frage kommt der Verfasser zu dem Schluß,
daß Schuld nach den Rechtsquellen als die Vernachlässigung der
rechtlich geforderten Sorgfalt betrachtet wird. Doch bekennt er,
daß es an Regeln fehlte über das Vorhandensein einer rechtlichen
Verpflichtung. Der Eid des Beklagten allein beantwortete nach dem
Sachsenspiegel (III 5 §. 3) und verwandten Rechtsbüchern die Frage,
ob der Untergang oder die Verschlechterung der Sache als Culpa
oder Casus aufzufassen sei. Spätere Quellen fanden jedoch den Maß-
stab zur Beurtheilung der Frage in dem Verhalten des Beklagten zu

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.

powered by Goobi viewer