Full text: Volume (Bd. 3 (1856))

368 Bröcker: Untersuch, über d. Glaubwürdigkeit der altröm. Geschichte.
Völker bildeten, keine großen Täuschungen möglich waren, weil die
Verhältnisse aller eng mit einander verflochten, nothwendtg sich gegen-
seitig bedingen und beleuchten mußten. Wir finden daher in der er-
haltenen Ueberlieferung in den verschiedenen Angaben eine solche
innere Consequenz, daß nur eins von zweien möglich ist, entweder
ist das Ganze das Werk einer in allen ihren Theilen innerlich zu-
sammenhängenden Erfindung, oder wir haben eben die in den That-
sachen selber enthaltene Verknüpfung. Und zwar müßte die Erfindung
in eine sehr frühe Zeit fallen, vor aller Forschung und Prüfung,
weil sie doch eine solche Herrschaft erlangen konnte. Nicht minder
war ein genaues Anschließcn an etwa vorhandene Denkmäler geboten.
Drittens ein nothwendiges Hülfsmittel um diese Erfindung zur allein-
herrschenden zu machen, war entweder die Schrift oder die Macht
der Ueberlieferung, die freilich denn auch im Dienst der Wahrheit
denkbar gewesen wäre. Endlich müßte denn dieser große Dichter
absichtlich den Ruhm der Anonymität gesucht haben, um in dem
beruhigenden Gefühl, die Wahrheit glücklich gefälscht zu haben, seine
ganze Belohnung zu finden." — So find wir allmählig bis zur
Königsgeschichte gekommen, welche nothwendig die geschichtliche Grund-
lage von dem bis jetzt geschichtlich Festgestellten gebildet haben muß.
Also Geschichte muß auch da angenommen werden, und es ist nur
die Frage, welche? Die überlieferte oder die durch die Combination
unserer jünger» Gelehrten entdeckte? Die Regierungszeit der Könige
kann keinen Zweifel mehr erregen, nachdem bewiesen worden ist, daß
das, was dem großen Newton unglaublich schien, an unzähligen
Orten und in den verschiedensten Verhältnissen verwirklicht worden
ist. Alle andern neuerlich erhobenen Einwendungen sind durch die
tiefere Auffassung des Wesens der Sage und der Ueberlieferung be-
seitigt, und so wird nichts übrig bleiben, als im Wesentlichen zu
der Grundanschauung zurückzukehren, welche wir aus dem Allen selbst
schöpfen. Dem Verfasser aber wünschen wir Glück; er hat durch
seinen ungeheuren Fleiß, durch seine bündige Demonstration, durch
seine vorurthetlöfreie Forschung der Wissenschaft einen großen Dienst
geleistet. Es ist verdienstlich, alle erwähnte Jrrthümer zu beseitigen,
es ist weit verdienstlicher, der Sophistik unserer Tage entgegen zu
treten und mit Ernst und Freimuth zu bekämpfen, welche so gerne
dem unbefangenen Bewußtsein gegenüber sich als höherer kritischer
Standpunkt geltend machen mochte, wenn ihm auch nichts mehr alö

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