Full text: Volume (Bd. 3 (1856))

Schlyter: Corpus Juris Yisbyensis urbici et maritimi. 33
jüngeren Privilegien der Stadt Wisby zusammenstellt und diese Com-
pilation für „das 1158(!)*) denen von Wisby ertheilte Stadtrecht"
ausgiebt, völlig aufzudecken, genügte Schlyter's einfache Bemerkung
(p. II. not. 4). Darin indessen irren sowohl Pardessus als
Schlyter, daß sie die den Lutenses von Heinrich dem Löwen
in seinen Staaten ertheilten Privilegien (nämlich: Schutz des Eigen-
thums und der Person, ungehinderte Rechtsverfolgung, Freiheit von
Zöllen und von der Confiscation des Nachlasses vermöge des jus
albinagii, endlich Theilnahme an den seinen eigenen Kaufleuten er-
theilten Vorrechten) auf sämmtliche Angehörige der Stadt Wisby ohne
Unterschied beziehen.
Bei dieser Auffassung bleibt es völlig unklar, mit welchem Rechte
und Erfolge ein deutscher Fürst den Streit unter der verschiedenen
Nationalitäten angehörigen Bevölkerung einer der Schwedischen Herr-
schaft unterworfenen Stadt dadurch bcizulegen vermocht hätte, daß
er den Bewohnern derselben in seinem eigenen Reiche umfassende
Vorrechte zusicherte.
Die richtige Ansicht dürfte folgende sein:
Die deutsche Niederlassung auf Wisby bestand zum größten Theile
aus Bürgern der Sächsischen und Wendischen Städte — im 13. Jahr-
hundert finden wir die Lübecker im Besitz des höchsten Ansehens.**)
Wohl frühzeitig mochte der monopolistische Charakter der Deutschen
Faktorey oder auch nur deren Concurrenz zu erheblichen Streitigkei-
ten zwischen der Skandinavischen handeltreibenden Bevölkerung der
Insel und den Deutschen Ansiedlern geführt haben. Sicherlich bean-
spruchten die Letzteren Handelsbevorrechtigungen und eine Pechtsgleich-
heit, wie sie den eingebornen Kaufleuten der Insel in den Heimaths-
staaten der Deutschen nicht gewährt ward. Das sicherste Mittel, die-
sen Eifersüchteleien und oft blutigen Reibungen ein Ende zu machen,
lag in der Hand derjenigen Fürsten, deren Territorien die Deutschm
Kaufleute angehörten; gewährten diese in ihren eigenen Staaten dem
Gothländtschen Handelsstande***) dieselben Rechte, welche die Deutschm

*) Wunderbarer Weise läßt auch Holtius a. a. O. S. 235 den 1137 ver-
storbenen Kaiser Lothar 2i Jahre nach seinem Tode die Privilegien von Wi-by
bestätigen.
**) Urkunde vom 17. Juni 1263 (Lüb. Urkundenb. I. S. 254). Böndniß
vom 3. Sept. 1282 (Lüb. Urk. I. S. 394).
***) Wie zahlreich der Gothländische Handelsstand in Niedttdeutschland sich
Krit. Zeitschrift für gesammte Rechts«. III. Bd. I

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