Full text: Volume (Bd. 3 (1856))

Bröcker: Untersuch, übcrd. Glaubwürdigkeit der allröm. Geschichte. 365
gäbe der Namen jener Genauigkeit, welche wir für Urkunden als
maaßgebend betrachten, so daß z. B. Irrungen in den Angaben über
die Tarquinier und die Familie der zahlreichen Valerianer fast nicht zu
vermeiden waren. Daher der zwiefache Charakter der römischen Ge-
schichte, einmal verhältnißmäßig frühe Aufzeichnung des Geschehe-
nen, auf der andern Seite ein gewisser Charakter der Beschränktheit,
manchen Klostcrchrönicken nicht unähnlich, die für die Wichtigkeit der
Aufzeichnungen einen ganz eigeuthümlichen Maaßstab besitzen. Von
der gläubigen Aufnahme des so gebotenen Stoffes gingen die älte-
sten Annalisten aus. Prüfung, Vergleichung, Combiuation lag nicht
in ihrem Sinn. An eine im Lichte des Wunderbaren strahlende
Vergangenheit, die Königszeit, schloß sich eine nackte Aufzählung der
Ereignisse der Gegenwart an. Mit dieser im herkömmlichen Geleise
sich bewegenden Erzählung trat Cato's rationalistische Auffassungö-
weife in entschiedenen Widerspruch, welche nur auf das Thatsächliche
gerichtet, die Deutung der alten Urkunden verschmähte und allein auf
dem sichern Boden der Erfahrung ruhte. Erst später trat mit der
philologischen und antiquarischen Behandlung die eigentliche Forschung
ein, welche Ucberlieferuug und Kritik passend zu vereinigen wußte.
Diese Richtung beginnt mit Junius Gracchanus, wird fortgeführt
durch Aelius Stilo und Licinius Macer und findet ihren Abschluß
in M. Terentius Varro. In den Urtheilen dieser Männer findet
man ganz den, wenn auch nicht naturgemäßen, aber wenigstens durch
die Erfahrung constatirten Gang der Forschung.
Erst gläubiges Nachcrzählen, dann keckes Verwerfen, dann be-
hutsames Vermitteln, und endlich allseitige Kritik, welche auf streng
philologische Forschung gestützt dem Alterthum sein Recht.vindicirt
und leichtsinnigen Zweifel beseitigt. Der Verf. hat dieß meister-
haft an den Untersuchungen über die Schaltjahre entwickelt und auf
den Reichthum an Hülfsmittcln, welche dem Varro zu Gebote stan-
den, die Aufmerksamkeit gerichtet. Die dritte Abhandlung behandelt
die Frage: „Haben in der Zeit von ohngefähr 400 d. St. bis ohn-
„gefähr 727 d. St. die ältern Annalisten und Forscher eine richtigere
„und vollständigere Kcnntniß der altrömischen Geschichte besessen als
„die jüngcrn, oder umgekehrt die jüngern eine richtigere und vollstän-
„digere als die ältern."
Die Antwort auf diese Frage liegt schon zum Theil in dem
Vorhergehenden, theils wird sie von dem Verf. aufs gründlichste
Stxit. Zeitschrift für gkfammie Rechtsw. Hl. Bd. 25

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