Full text: Volume (Bd. 3 (1856))

362 Bröckrr: Untersuch, überd. Glaubwürdigkeit der altröm. Geschichte.
Zweifel, daß die Eroberung und thcilweise Zerstörung einer Stadt
immer nachteilig auf die Erhaltung der geschichtlichen Denkmäler
einwirken muß; und das soll auch keineswegs bestritten werden, aber
auf der andern Seite ist nicht minder gewiß, daß ein solches Ereig-
niß nicht nur fühlbar macht, wie viel verloren gegangen ist, sondern
auch die Aufmerksamkeit auf dasjenige richtet, was erhalten ist und
auch noch späterhin sich vorfindet. Der Verf. zeigt nun durch prüfende
Vergleichung der Nachrichten über den damaligen Verlust, daß nament-
lich die Aussage des Livius, die hier vor Allem in Betracht kommt,
weit mehr rhetorisches Pathos als sachlichen Inhalt hat, wie denn
häufig diejenigen am meisten über den Mangel an Quellen klagen,
welche sie am wenigsten benutzen. Ohne dieß nun in ganzer Strenge
gegen Livius geltend machen zu wollen, ist gewiß, daß seine Klage
nur relative Bedeutung hat, und daß wir im Besitz dessen, was er
als Trümmer bezeichnet, uns selbst überreich erscheinen würden. Nicht
minder wichtig ist die Nachricht, daß Vieles von dem Verlornen sich
wieder Herstellen ließ, Verträge und Gesetze, namentlich die XII Tafeln
und einige königliche Gesetze, und dieß wurde theilwcise öffentlich be-
kannt gemacht. Anderes waS den Gottesdienst betraf, wurde von
den Oberpriestern geheim gehalten. Also erfahren wir mit dem Ver-
lust zugleich, daß Abschriften von Gesetzen, Verträgen und priestcr-
lichen Satzungen existirten, welche den genannten Verlust viel weniger
fühlbar machen mußten.
Zugleich wird dadurch überhaupt ein Standpunkt der Cultur
offenbar, der vielmehr als einzelne Denkmäler einer gänzlichen Ver-
dunkelung jener Zeiten entgegenwirken mußte. Denn wenn doch außer
schriftlichen Urkunden, Gesetzen, Verträgen und Denkmälern mannig-
faltiger Art in Erz, Stein, Holz, die Schretbkunst in solchem Maaße
geübt wurde, daß nicht nur in Tempeln und Archiven RomS, son-
dern auch der umliegenden Städte Tibur, Tusculum, Ardea, Prä-
neste, Caere, Veji zahlreiche Quellen für die Erhaltung römischer
StaatSschriften zu finden waren, so ist doch wohl klar, daß nur eine
allgemeine Verheerung deS Landes und Vertilgung aller Bewohner,
mit den Menschen zugleich das Gedächtniß jener Zeiten hätte ver-
nichten können. Dagegen wird umgekehrt von dem Verfasser die Er-
haltung vieler Denkmäler in den verschiedenen Theilen der Stadt
nachgewiesen, so daß eine allgemeine Zerstörung der Stadt gar nicht
gedacht werden kann. Dieß geht auch aus den Worten des LtvtuS

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.

powered by Goobi viewer