Full text: Volume (Bd. 3 (1856))

Huschle: GajuS.

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ist das einzige beglaubigte Exemtions-Verfahren der ältesten Zeit und
doch zugleich nur anwendbar für Geldforderungen. Wenn uns nun
die vorstehende Erörterung zeigte, daß es für dingliche Rechte, die mit
der alten vindicatio verfolgt waren, eines eigentlichen Exemtions-
Verfahrens gar nicht bedurfte, daß dagegen die persönlichen Rechte,
wo es dessen bedurfte, in Geldforderungen umgesetzt wurden: so er-
kennen wir auch hier innere Harmonie und ein abgeschlossenes pro-
cessualisches System.
c. Es bleibt uns schließlich noch übrig, die Einführung der
pecuniaria condemnatio im Formularproceß zu erklären.
Sie scheint uns zur Nothwendigkeit geworden zu sein mit dem
Verschwinden der alten vindicatio.
Der Staat trat von dem unmittelbaren Eingreifen zurück, es
kam nicht mehr zum vindicias dare und es wurde daher nicht mehr
auf seine Autorität und Garantie ein interimistischer Zustand deö
Eigenthumsobjeets geschaffen. Die Vindieation änderte den Besitzstand
nicht, vielmehr blieben die thatsächlichen Verhältnisse unberührt, so
wie sie waren. Es konnte durch Interdikt zwar wohl vom Staate
eine Entscheidung darüber begehrt werden, wer Besitzer sei —
nicht aber konnte man ferner erwarten, daß der Staat interimistisch
Jemand zum Besitzer mache. Der Zustand des Objects während
des Streites beruhte daher jetzt auf dem Rechte deö Besitzes, welches
entweder durch ausdrückliches Erkenntniß oder stillschweigende- Zuge-
ständniß anerkannt war.
Seitdem ist denn auch das Object mit der definitiven Sentenz
nicht mehr besitzlos, an den Staat zurückgefallen; sondern es ist noch
fortwährend gedeckt durch die Person des Beklagten und deren aner-
kanntes Recht deö Besitzes. Daher konnte nur durch sie zu dem
Objecte gelangt werden; mit der bloßen Anerkennung des Eigenthums
bet dem Sieger war eö nicht gethan. Und so stellt sich die Noth-
wendtgkeit dar, zu dem litem addicere einen Ausspruch treten zu lassen,
welcher eine Verpflichtung des Besitzers schuf, ihm eine Leistung
auferlegte. Dies ist die condemnatio im neueren Sinne, welche sich
neben die pronuntiatio und das arbitrium de restituendo stellt, in
denen der materielle Gehalt deö litem addicere eonservirt wird.
Als der Staat nicht mehr Garant eines von ihm begründeten
interimistischen Zustandes war, mußten selbstverständlich mit seiner
Haftung und daraus beruhendem Interesse auch die praedes Iit. vmd.

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