Full text: Volume (Bd. 3 (1856))

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Huschke: Gajus.

den gut geheißenen Anspruch in Geld zu verwandeln, sondern auch
die condemnatio selbst zu ersetzen. Als Hauptbcweiö für die An-
wendung der litis aestimatio dient ihm das judici um repetundarum,
wo sie sich schon nach den ersten Gesetzen, welche die!. a. sacramento
als Proceßform verordnen, findet. Allein wenn, wie obige Stellen
beweisen, der litis aestimatio gerade die condemnatio vorausging,
so kann sie offenbar die ihr von Keller zugewiesene Funktion nicht
gehabt haben; und wenn derselbe überhaupt aus dem Repetunden-
proeeß für die l. a. #sacram. allgemeine Schlüsse ziehen will, so muß
er zugeben, daß diese mit ganz gleichem Gewicht auf die condem-
natio, wie auf die litis aestimatio führen.
Wir haben schon früher ausgesprochen (L. a. sacram. S. 64),
daß der Analogie des Repetundenproeesses keine unbedingte rmd all-
gemeine Beweiskraft zukomme. Die Gründe werden wir später be-
rühren. Allein soviel wird von beiden Seiten zugestanden werden
müssen, daß der Repetundenprveeß ergibt, wie sich an die l. a. sacram,
sowohl eine condemnatio, als eine litis aestimatio anschlikßen könne.
Und soweit dient er dann jedenfalls auch zur Unterstützung des von
uns früher geführten Beweises.
Einen wetteren Beitrag liefert uns Huschke durch Berufung
auf Gell. 20, 1. Es geht daraus allerdings hervor, daß das Ur-
theil die Streitsache selbst betraf und dem Inhalte der intentio con-
gruent war. Lautete diese z. B. bei Injurien: -ajo mihi abs te
talionem esse“, so sprach der Richter eben dieses Recht der Talion
dem Kläger zu, talionem imperabat (vgl. Huschke S. 125). Wir
haben uns auf diese Stelle früher nicht berufen, weil wir sic, wenn
auch im Allgemeinen beweiskräftig, doch für unfern nächsten Zweck
weniger entscheidend hielten. Uns war cs häuptsächlich um die ding-
liche sacram. 1. a. zu thun; jene Stelle handelt dagegen von einer
Delictsklage, welche, wie wir glauben, keinen unbedingten Schluß auf
jene zuläßt. Eine Unterstützung aber bietet sie immerhin: und so
wird denn wohl die condemnatio des Gajus allmählig zur Aner-
kennung gelangen. Wenn wir uns diese auch nicht in ihrer spätern
Form denken dürfen, so werden wir doch Huschke darin beistim-
men müssen, daß in dem Zuspruch des Rechts an den Kläger ma-
teriell eine Verurthetlung des Beklagten lag (vgl. Huschke S. 125).
Der wichtigste Gewinn aber scheint uns dies zu sein, daß das rich-
tige Verständniß des „condemnare rem ipsam“ zur Einsicht in

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