Full text: Volume (Bd. 3 (1856))

Huschke: Gajus.

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wähnen, aber nicht näher darauf eingehen können. Jetzt, wo wir
diese in weiterer Ausführung vor uns haben, ist es uns von großem
Interesse gewesen, sie mit der Bekker'schen zu vergleichen. Beide
Schriftsteller treten von ganz verschiedenen Seiten an die Frage
heran. Während es Bekker vorzüglich darauf ankommt, zu er-
kennen, warum und in wie weit die Klagen gegen die Adpromifforen
und den Hauptschuldner als Klagen de eadem re zu betrachten seien,
greift Huschke ohne besonderen Zweck mitten in die Sache hinein.
Wie schon hiedurch ein verschiedener Gang der Darstellung bedingt
ist, so treten auch erhebliche Verschiedenheiten in der Anschauung
hervor; doch aber scheinen sich diese mehr zu ergänzen, als einen
absoluten Gegensatz zu bilden. Indem wir in Folgendem auf Husch-
kc's Darstellung näher eingcben, werden wir zugleich die Bekker'schen
Ansichten auf einigen Punkten berühren.
Wir glauben dem Ausspruch Huschkc's, daß die sponsio eine
„persönliche Bürgschaft" sei, bis zu einem gewissen Punkte völlig
beipflichten zu müssen und erkennen ebenso den Gegensatz der fule-
jussio als „sächlicher Bürgschaft" für richtig an. Nur darf dieser
Unterschied nicht wie ein durch Neflerion geschaffener aufgefaßt wer-
den, da er doch nichts Anderes ist, als ein Ergebnis; der geschicht-
lichen Entwicklung des Begriffs der obligatio. Man würde daher
auch zu falschen Extremen gelangen, wenn man die Ausdrücke, mit
welchen wir den Gegensatz bezeichnen, als scharfgeschliffenc Prtncipien
behandeln und alle daraus abzuleitenden Folgerungen für richtig aus-
gcben wollte: sie sind nichts weiter als ein Versuch, die ältere und
jüngere Anschauung unserm Bewußtsein itäher zu bringen, und dürfen
keinen Anspruch auf absolute und durchschlagende Corrcctheit erheben.
Es unterliegt keinem Zweifel, daß die sponsio den ältesten
Zeiten des R. R. angehört; wir müssen daher in ihr auch die
älteste Anschauung der obligatio wieder sindcn. Nach dieser aber ist
cs in einem viel strietcren und eoncretcrem Sinne, als in späterer
Zeit, zu nehmen, daß die obligatio ein persönliches Recht ist.
In dem späteren Gegensätze des dinglichen zum persönlichen Rechte,
erscheint dieses nur in einer gegen die frühere Zeit völlig abgeschwäch-
ten Gestalt. Ursprünglich war es das Recht, welches wirklich die
Person in ihrer Totalität ergriff und in seiner Durchsetzung zu ihrer
Unterwerfung durch ductio führen mußte. Bei dieser Anschauungs-
weise ist der ökonomische Inhalt der Pflicht ein untergeordnetes

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