Full text: Volume (Bd. 3 (1856))

332

Huschte: Gaju«.

relinquerent, ut cives Romani fiebant.“ Huschke schlägt vor statt
der corrumpirten Worte „nt cives“ zu lesen „municipes.“ Dieje-
nigen, welche keine stirps hatten, sollten nach Meinung deö Gesetzes
gar nicht nach Rom übersiedeln; allein sie beriefen sich auf eine
„imago juris“, nämlich wohl auf das alte, nicht ausdrücklich aufge-
hobene Municipalrecht, welches Festus v. Municipium erwähnt.
Diesem gemäß konnten dic municipes nach Rom übersiedeln, dort
als Passivbürger leben, und nachdem sie einige Jahre alle StaatS-
lasten getragen hatten, das volle Bürgerrecht erlangen. Durch Be-
rufung auf diese Bestimmung konnte allerdings das von Livius er-
wähnte Gesetz umgangen werden. — Es fragt sich indeß, ob sie
wirklich bestand. Um sie zu beweisen, ist eine andere als die ge-
wöhnliche Auslegung der Worte des Festus nothwendig. Man be-
zieht meistens die Worte „qui post aliquot annos cives Romani
effecti sunt“ auf die später erfolgte Verleihung des Bürgerrechts an
die gesammtcn Einwohner der Städte Fundi, Formiä jc. Huschke
bezieht sie auf die Uebersiedclnden aus diesen Städten, welche,
nachdem sie einige Jahre in Rom gelebt haben, Bürger wurden;
und diese Auslegung hat in der That Manches für sich. Denn die
Bemerkung, daß jene Städte mit dem Bürgerrecht später beschenkt
seien, ist wenig angebracht; wohl aber gehört es sich in der Cha-
rakteristik der municipes anzuführen, welcher Weg ihnen zur Erwer-
bung des Bürgerrechts offen stand. Sodann ist nach der gewöhnli-
chen Auslegung der Ausdruck „post aliquot annos“ höchst ineorreet.
Man sieht nicht, welchen Anfangspunkt Festus für seine Rechnung im
Auge hat. Zwar liegt es nahe an die Zeit zu denken, wo jene
Städte die civitas sine suffragio erhielten; allein die Worte „post
aliquot annos“ erschienen dann um so unpassender. Denn bei meh-
reren der genannten Städte z. B. Fundi, Formiä, Cumä liegt zwi-
schen jenem Ereigniß und der Erlangung des vollen Bürgerrechts ein
Zeitraum von etwa 150 Jahren (Liv. 8. c. 14. 17. 23. c. 31.
38. c. 36). Die von Festus zuletzt genannten Städte Lanuvium
und Tusculum scheinen freilich das volle Bürgerrecht weit früher er-
worben zu haben (Liv. 8. c. 14, vgl. dazu die Anm. von Weis-
senborn), und es wäre daher möglich, daß Festus nur an diese
beiden gedacht. Dann würden zwar die Worte „post aliquot annos“
angemessener, der ganze Satz aber nicht eorreeter sein, so daß wir auf
diese Erwiderung gegen H.'s Interpretation kein Gewicht legen dürfen.

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.

powered by Goobi viewer