Full text: Volume (Bd. 3 (1856))

Mohl: Geschichte und Literatur der StaatSwtssenschastcn. 327
amerikanische Verhältniß Herstellen sollte und könnte — und dieser
Gesichtspunkt herrscht in der Mohl'schen Beurtheilung vor — ha-
ben wir uns hier nicht zu befassen.
Die Ucbcl der inö Extrem getriebenen Gleichheitssucht des Ame-
rikaners, wie sie sich in den stets allgemeiner werdenden direkten
Wahlen ohne Census, in der directen Betheiligung des Volks an der
Regierung, in der Untergrabung der Selbständigkeit des richterlichen
Berufs, in der öffentlichen Meinung durch Unduldsamkeit ausspricht,
hat Mohl mit Recht scharf gegeißelt, und Laurent stimmt ihm
darin völlig bei. Ueber die Repudiation ist mit Ausnahme Floridas,
wobei eigenthümliche Verhältnisse obwalten, doch am Ende die öffent-
liche Moral und öffentliche Meinung Herr geworden. Schon früher
hatte Tocqueville sich ähnlich geäußert, obgleich er nur erst die
Anfänge dieser Gleichmachungstendenz vor sich sah. Ueber diesen
verdienter Maaßen gepriesenen Schriftsteller macht Laurent die rich-
tige Bemerkung, daß er an dem Talent der Franzosen zu generali-
sircn leide, und Manches, was die amerikanische Demokratie jetzt
Fehlerhaftes zeige, für ein unvermeidliches Erbtheil einer jeden De-
mokratie zu allen Zeiten ansehc.
Eine weitere erwähnenswerthe Bemerkung ist, daß die Ameri-
kaner deshalb kein besonderes Werk über die Verfassungen der Ein-
zelstaaten haben, weil der Föderativstaat doch im Grunde auch
den Separatisten das Wichtigste ist, wie denn auch alle großen Ju-
risten des Landes Föderalisten, Begünstiger der vereinigenden Mo-
mente in der Gcsammtvcrfaffung sind. Laurent weis't dabei auf
das entgegengesetzte Verhältniß in Deutschland hin, wo die Einzel-
staatcn von jeher mehr zu bedeuten gehabt haben, als die Einheit.
Die Einzelstaateu Amerikas sind eben doch nicht viel mehr als Pro-
vinzen, während die delltschcn Staaten wo möglich noch mehr als
Reiche sein möchten. Auch hier gibt daS umfassende, man könnte
fast sagen, erschöpfende Wissen Mohl'S seinem belgischen Kritiker
Anlaß zum gerechten Staunen, und mit besonderer Genugthuung
sehen wir, daß dieser den bescheidenen Bemerkungen Mohl's über
seine Jugendarbeit: „Das Bundesstaatsrecht der Vereinigten Staaten
von Nordamerika", das besser entsprechende Urtheil substktuirt, es sei
das beste Werk, welches in Deutschland und in deutscher Weise
über den Gegenstand geschrieben worden. Etwas weniger schwarz-
sichtig als Mohl, schließt der Kritiker mit einer Hinweisung

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