Full text: Volume (Bd. 3 (1856))

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Mohl: Geschichte und Literatur der Staat-Wissenschaften.

parat mit ins Werk hineingezogen, fälschlich meinend, daß Alle-,
was dem Schriftsteller lieb und werth, auch dem Leser interessant
sein müsse. Wenn er aber schließlich meint, er biete den Leuten
vom Fach zu Viel und den Uebrigen zu Wenig, so thut er sich
selbst Unrecht. Fallati's, des leider seinem Vaterlande und der
Wissenschaft so früh entrissenen Ehrenmannes, Ideen über das Völ-
kerrecht der Zukunft werden rühmend erwähnt; gegen den Gedanken
eines Aufgehens der Staaten in e i n e n Staat protestirt jedoch Lau-
rent mit guten Gründen.
Den Handbüchern und Systemen des positiven Völkerrechts weiß
auch der Kritiker nicht viel Gutes nachzurühmen, doch zeichnet er hier
mit Recht Heffter aus der großen Menge mittelmäßiger und zum
Theil schlechter Versuche aus. Unter den Schriften über Consulate
hebt auch er das Miltih'sche Handbuch hervor. Die bedeutenden
Modificationen zum Besseren, welche daö Völkerrecht zur See gerade
in diesen Tagen erfahren hat, werden entsprechend gewürdigt und
besonders auf den Umstand aufmerksam gemacht, daß selbst englische
Schriftsteller anfangen sich den gerechteren Grundsätzen zuzuwenden.
Was den ewigen Frieden anbelangt, so haben wir Laurent in
Verdacht, ein bischen zu billig von den Trägern dieser Idee zu den-
ken; die praktische Bedeutung derselben überschätzt er keineswegs.
„Der ewige Friede liegt in den äußersten Grenzen der menschlichen
Fortschrittsbahn."
Die Materie des internationalen Privatrechts gibt Anlaß zu
einer eingehenden Beurtheilung der verschiedenen Systeme; allein da
unser Kritiker dabet seinen Schriftsteller etwas außer Augen läßt,
dürfen wir uns erlauben, über diese Partie hinweg zu gehen.
Die Literatur über die Verträge u. s. w., wie sic sich bei Mohl
findet, setzt auch Laurent in gerechtes Erstaunen. „Er kennt alle
Publikationen, selbst die unbedeutendsten aus den wcnigstbedeutenden
Ländern.' Je weiter ich in diesem Werke lese, desto mehr erstaunt
mich der Umfang der Kenntnisse des Verfassers. ES ist unbegreif-
lich, wie er alle diese Notizen zusammenbringen konnte, in Bel-
gien wäre so etwas ganz unmöglich."^
VII. Literatur des Schweizerischen Staatsrechts.
sAus der Kritik über den VII. Abschnitt wollen wir nur her-
vorheben, daß Laurent die Demokratien der Schweiz gegen das

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