Full text: Volume (Bd. 3 (1856))

322 Mohl: Geschichte und Literatur der Staat-Wissenschaften.
Laurent will noch in Montesquteu's Satze, daß die kon-
stitutionelle Monarchie in den Wäldern gefunden worden, etwas
Wahres finden. Nichtiger ist es, wenn er die Anfänge derselben
in dem Feudalwesen sucht. Er constatirt die Ungunst, welche sie
gegenwärtig zu erleiden hat, behauptet aber, daß es die einzige Re-
gierungsform sei, die dem gegenwärtigen socialen Zustande Europas
entspricht. Mohl's Urtheil über die Schriftsteller in dieser Ma-
terie wird im Allgemeinen adoptirt, nur sei cs hie und da etwas zu
wohlwollend. Besonders erwähnenswcrth findet Laurent die Seiten,
wo Mo hl die Gegner des constitutionellen Systems die Rcvüe
paffiren läßt. Laurent bekämpft die Demokraten besonders vom
belgischen Standpunkte aus. „Nennt das Königthum eine absurde
Einrichtung, immerhin, wir ziehen eine absurde Institution, die nütz-
lich ist, der schönsten Unmöglichkeit vor, und die absolute Demo-
kratie wird bet uns noch für lange Zeit unmöglich sein." Die Schil-
derung der Zustände in Belgien, wo selbst Demokraten vielleicht mehr
Freiheit, in dem ausgedehnten Wahlrecht, in dem Unterricht, in der
Association, finden würden als ihnen lieb (der Kritiker gibt unS ein
ergötzliches Bild von dem geistlichen Hirten, der seine Heerde zur
— Wahlurne führt), ist sehr schlagend. Die Gegner des constitutio-
nellen Systems, mögen sie es nun sein, weil ihnen der Fürst die
Vollkommenheit auf Erden ist, weil die Konstitutionen aus Frankreich
gekommen oder weil es profitabler ist, dagegen als dafür zu sein, die
Pharisäer und Heuchler der Politik, finden keine Gnade. Was die
Ehrlichen unter dieser Schaar angeht, so räth ihnen der Kritiker
etwas Anderes als Politik zu treiben.
Der Anhang Mohl's: „Ueber den bloß verfassungsmäßigen
Gehorsam" wird von Laurent mit Recht zu den besten Partien
des Buches gezählt.)
VI. Die neuere Literatur des Völkerrechts.
(Auch über diesen bedeutenden Theil des Mohl'schen Werks,
der eine wahrhaft staunenswerthe Belesenheit des Verfassers verräth,
und in seinen Urtheilen fast ausnahmelos unwtdersprechlich ist, kön-
nen wir nur kurze Auszüge aus der Laurent'schen Abhandlung
geben. Der Kritiker spricht mit gerechter Strenge von dem älteren
Zustande dieser Literatur, und wenn wir auch Martens gegen sein
etwas zu strenges Verdikt in Schutz nehmen wollen, sind wir doch

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