Full text: Volume (Bd. 3 (1856))

Mvhl: Geschichte und Literatur der Staat-Wissenschaften. 317
ihm will, so hätte es sich so im Mittelalter zeigen müssen, wo eS
allmächtig war. Ist aber jemals das Pabstthnm eine Garantie für
die Freiheit, den Frieden, und die Gerechtigkeit unter den Völkern
gewesen? Man sagt es, aber um es sagen zu können, muß man
ein eigenthümliches Talent haben, die Tbatsachen zu verdrehen. Das
Pabstthum ein Hüter der Freiheit! Es gab im Mittelalter zwei
mächtige Bewegungen für die Freiheit. Die Revolution der anglo-
normannischen Barone unter Johann ohne Land und die Kommu-
nal-Rcvolution. Znnocenz III. war Lehnsherr von England, als
die aufständischen Barone dem Könige die Magna Charta abtrotzten.
Nahm er damals Parthci für daS Recht eines Volks, welches der
elendeste aller Könige mit Füßen getreten hatte? Er erklärte die
Magna Charta für null und nichtig, und ercommunicirte die Barone.
Wenn eS nach dem Pabst gegangen wäre, würde niemals in Eng-
land die Freiheit Boden gefaßt haben. War daö Pabstthum viel-
leicht der Emanzipation der Stadtgcmeindcn günstiger? Oe Maistre
macht aus den Päbstcn die Vorkämpfer der Freiheit Italiens. Nach
ihm ist der lange Kampf zwischen Pabst und Hohenstaufen ein
Streit um die llnabhängigkeit Italiens. Die Theorie üe Maistre’s ist
ein wahres historisches Falsum. Der Kampf zwischen Kaiser und
Papst war ein Kampf um die Weltherrschaft, um eine Universalmo-
narchie. Wenn die Päbste die italienischen Städte zu ihren Allitr-
ten nahmen, geschah cs, weil sie ihrer Unterstützung gegen die all-
mächtigen Hohenstaufen bedurften. Die lombardischen Städte waren
Werkzeuge für Alexander III., wie die Fürsten cs für Gre-
gor VII. gewesen. Um den Einfluß der Kirche auf die freiheitliche
Entwicklung richtig zu würdigen, muß man sehen, welche Rolle sie
im 12. und 13. Jahrhundert bei der Entwicklung deö StädtelcbenS
gespielt hat. Ueberall zeigt sie sich als Feindin der Freiheit, syste-
matische Feindin und im Namen des christlichen Dogmas dagegen
auftretend. Hat sie für den internationalen Frieden, das internatio-
nale Rechtsleben mehr gethan? Allerdings strebten die Päbste
den Frieden unter den christlichen Fürsten herznstellen, aber weßhalb?
Um sie gegen die Sarazenen zur Wiedereroberung des heiligen Lan-
de- zu gebrauchen. Weit entfernt ein Element des Friedens zu sein,
lag in der katholischen Grundanschauung ein Keim des Kampfes
gegen alle abweichenden Lehren, fei es Mohamedanismus oder Hä-
resie. Man denke an die Geschichte der Albigenser!
Kril. Zeitschrift für gefammte Rechtsw. l!l. Bd.

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