Full text: Volume (Bd. 3 (1856))

302 Mohl: Geschichte und Literatur der Staatswissenschaften.
Haft. (An diese Ehrenrettung mochten wir eine zweite ebenso ver-
diente knüpfen. In Hallam’s Introduction to thc Ilistory of tbe
Literatare of Europe in the 15.16 and 17 Century, ist die Staats-
Wissenschaft mit besonderer Vorliebe und mit der ehrenhaften Unpar-
teilichkeit und dem umfassenden Wissen des Verfassers behandelt.
Statt bloßer biographischer Notizen und Titel findet man dort Aus-
züge auö den hervorragendsten Schriftstellern und eine eingehende
Beurtheilung derselben. M.] Was spezielle Literaturgeschichten der
Staatswissenschaften anbelangt, so sind diese mit wenig Ausnahmen
unbedeutend und werthlos. Doch es ist Zeit, zu den Monographien
selbst überzugehen.
I. Die Staatswissenschaften und die Gesellschafts-
wissenschaften.
Bis vor Kurzem unterschied man in der politischen Wissenschaft
zwei Arten von Verhältnissen, die, welche sich an die Individualität
anschließen, die rein individuellen Bezüge und diejenigen, welche ans
der Gesellschaft hervorgchen oder was dasselbe sagen wollte, die staat-
lichen Bezüge. Man wirft dabei Staat und Gesellschaft zusammen.
Der Verfasser, der hierin mit der K r a u s e s ch e n Schule geht, unter-
scheidet Staat und Gesellschaft, daö heißt, er nimmt eine dritte Art
von Beziehungen an. Zwischen Individuum und Staat liegen As-
sociationen oder natürliche Korporationen, die sich auö der Natur der
Sache entwickeln, unabhängig vom Staate. Diese nennt unser Ver-
fasser die Gesellschaft. Seine Beispiele sind:
1) Die Stände (Adel, Geistlichkeit, Handwerker oder Industri-
elle, Bauern oder Taglöhner). Um zu zeigen, wie mächtig und unzer-
störbar diese ständische Gliederung ist, erinnert Mohl an die Kasten,
welche alle politischen Revolutionen überlebt haben. Die Stände sind
also unabhängig vom Staat.
2) Die Gemeinden. Der Staat hat sich ihrer bemächtigt, sie
sind nach manchen Seiten hin Untcrabtheilungen deö Staats, aber sie
haben doch auch eine selbständige, vom Staate unabhängige Existenz.
3) Die Racen. Sieger und Besiegte oder verschiedene Raren
haben überall verschiedene Klaffen gebildet, oftmals dem Staate zum
Trotz. So sind die Weißen und Schwarzen in den Vereinigten
Staaten, die Angelsachsen und die Kelten in Irland, die Hindus
und Mongolen, die Polen und die Russen.

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