Full text: Kritische Zeitschrift für die gesammte Rechtswissenschaft (Bd. 3 (1856))

242 Schöne: Die Amtsgewalt der fränkischen ölsjorei-ciomn».

eigene Meinung lehnt sich an die Roth'schc* **)) und erscheint im
Ganzen als deren nähere Ausführung und Begründung.
Schöne zufolge ist daö Majordomat eines der alten fränki-
schen Hvfämter von nicht nachweisbarer Entstehung. Aus den sehr
dürftigen Bemerkungen der Quellen über seinen anfänglichen Wir-
kungskreis schließt der Verfasser, daß solcher in der ersten Zeit keine
besondere Wichtigkeit gehabt. Der Majordomus scheint ihm der Auf-
seher des königlichen Hauswesens, der erste der Seneschalle zu sein.
Mit Roth bestreitet Schöne, daß derselbe dazumal Befehlshaber
eines merovtngischen Dienstgefolges oder Verwalter der Domainen
oder gar Stellvertreter des Königs in der Leitung der Staatsange-
legenheiten gewesen.
Seite 12 sucht der Verfasser gegen Waitz*'*) nachzuweiscn, daß
es in jedem fränkischen Reichsthetle bloß Einen Majordomus, und
zwar nur einen königlichen gegeben. Die entsprechenden Beamten
an den Höfen der Prinzen, Prinzessinen und sonstigen Vornehmen
hätten den älteren Namen Seneschall behalten. Es ist Schöne
jedoch nicht gelungen, positive Beweise für diese Behauptung zu brin-
gen. Derselbe beschränkt sich darauf, die verschiedenen Stellen der
Quellen, welche man auf nicht königliche Majoresdomus deuten kann,
in seinem Sinne zu erklären oder zu verdächtigen. Uns wenigstens
hat der Verfasser nicht zu überzeugen vermocht.
In dem zweiten Abschnitte hebt Schöne hervor, daß die Be-
deutung des in Rede stehenden Amtes sich gerade unter der Herr-
schaft der Brunichild und Fredegund änderte. Er erklärt diesen Um-
stand auf folgende Weise. Der Majordomus sei durch seine Stel-
lung vorzugsweise mit den Königinnen in Berührung gekommen, da
die Frauen sich mehr als die Männer für das Hauswesen intcresst-
ren. Die beiden genannten Herrscherinnen hätten deßhalb wohl ge-
rade zu dem Majordomat ihnen genehme Personen gewählt und dann
solchen Günstlingen auch Einfluß auf die ReichSregicruug gestattet.
So sei der Hausmeicr der bedeutendste Beamte geworden. Dies fak-
tische Verhältniß habe sich durch die lange Herrschaft der Königinnen
Fredegund und Brunichild so eingewurzelt, daß es deren Tod überdauert.

*) Geschichte des Beneficialwefens von den ältesten Zeiten bis in'S zehnte Zcih-
hundert. (1850) S. 309 ff.
**) Wattz, Deutsche VerfassungSgesch. Bd. II. S. 36vff.

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