Full text: Volume (Bd. 3 (1856))

Soetbeer: Grundzügc des Seevölkerrechts der Gegenwart. 217

penhagens von 1801 angeht, so ist die unS nicht einmal bekannt,
geschweige denn berüchtigt. Der Verfasser verwechselt die Schlacht auf
der Rhede von Kopenhagen 1801 mit der Belagerung im Jahre 1807.
Wenn wir wie der Verfasser selbst einen „Rückblick" auf seine Schrift
werfen, so können wir in dem ganzen Buche nichts als einen mißlungenen
Versuch sehen, unter der Maske einer rechtlichen Abhandlung ein poli-
tisches Pamphlet zu verbreiten; unser Gesammturtheil muß dahin
auSfallen, daß es dem Verfasser noch an der genügenden Kenntniß
mangelt, sich über völkerrechtliche Fragen in einer für Andere nütz-
lichen Weise zu äußern.
Haben wir so die unangenehme Pflicht des Tadels erfüllt, kön-
nen wir das Soetbeer'sche Bucb, das mit geringern Prätensionen
als die Revision auftritt, mit gutem Grund empfehlen. Das Merk-
chen ist zugleich Supplement und Resume zu den Beitragen desselben
Verfassers. Was sich aus den Erklärungen der Kriegführenden und
Neutralen und den Entscheidungen der Prisengerichte als Norm des
Seevölkerrechts ergibt, ist hier in kurzer und bündiger Weise zu-
sammengestellt worden. Aus seiner Uebcrsicht wird namentlich recht
klar, mit welcher Loyalität die Neutralen, denen die Kriegführenden
sich so entgegenkommend gezeigt haben, die Neutralität handhaben.
Noch zu keiner Zeit sind die Verordnungen über das neutrale Ver-
halten der Staatsangehörigen so ausführlich gewesen. Unrichtigkeiten
oder Ungenauigkeiten haben wir mit einer Ausnahme nicht bemerkt.
Diese bezieht sich auf den Handelsverkehr der feindlichen Unterthanen
miteinander. Bis auf den gegenwärtigen Krieg war es allgemein
angenommen, obgleich Helfter allerdings Zweifel geäußert hat
(S. 215. 216), daß durch den Ausbruch von Feindseligkeiten den
Unterthanen eo ipso aller Verkehr untersagt ist, und daß nur durch
ausdrückliche Gestattung (so namentlich im Seeverkehr durch Licenzen)
eine solche Verbindung mit dem Feinde straflos wird U^nkersboelr
Quaestiones I. e. 3. Wheaton Elements II. part 4. chap. 1.§. 13.).
Von diesem Grundsätze, der übrigens mehr staatsrechtlich als völkerrecht-
lich ist, ist man abseiteu der Kriegführenden völlig abgewichen. Nicht mehr
durch Licenzen oder durch Privilegirnng gewisser Arten von Handel und
Verkehr, sondern ganz allgemein dürfen jetzt die feindlichen Unterthanen
frei mit einander verkehren, wenn eS sich nicht um kriegerische oder den
Staat selbst betreffende Acte handelt. Soetbeer gibt freilich S. 5
an, daß kein britischer Unterthan, auch nicht durch Vermittlung eines

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