Full text: Volume (Bd. 3 (1856))

208 Soetbeer: Grundzüge des Seevölkerrechts der Gegenwart.

theoretisch das richtige ist, und auf die Thatsache, daß jetzt ein Welt-
krieg unter allseitigcr Herrschaft dieses PrinzipeS geführt wird, darf
man von nun an das Prinzip als eine Errungenschaft des allge-
meinen Völkerrechts betrachten. Uns stört dabei nicht, daß England
„a part of her belligerent rights“ nur „for the present“ aufgibt, Eine
Erklärung war nur nöthtg für die Gegenwart. Auch Frankreich will
nur pour le present renoncer ä une partie de ses droits, und
doch wird von einer Geltendmachung der Regel, daß das neutrale
Gut an feindlichem Bord confiscirbar sei, nie mehr die Rede sein
können.*)
Wir sind auf diesen wichtigsten Punkt auS der Neutralitätslehre
etwas näher cingegangen, weil Geßner über diesen Entwicklungs-
gang des richtigen Prinzips sich die Dinge willkürlich zurecht legt
und Hefster etwas zu kurz und deshalb undeutlich ist (S. 292).
Man könnte noch gegen unsere Behauptung, daß gegenwärtig der
Grundsatz der freien Flagge und freien Ladung herrsche, einwenden,
daß nur eine geringe Anzahl von Verträgen das Prinzip ausdrück-
lich feststelle, und in der That sind cs nur die Vereinigten Staaten,
die zahlreiche Verträge dieser Art abgeschlossen haben. Allein eben
die allgemeine Ueberzeugung, daß das Prinzip bei den gegenwärtigen
Verkehrsverbältnissen das einzig mögliche sei, bat von der ferneren
Abschließung solcher Verträge absehen lassen. Wir können demgemäß
auch dem russisch-amerikanischen Vertrage nicht eine so große Wich-
tigkeit, wie Heffter und Geßner es thun, beilegen, und halten
die englisch-französischen Erklärungen für ebenso bedeutend. Noch viel
weniger sind wir mit ihnen einverstanden, wenn sie von einer Eon-
tinentalsperre alles Heil für die Zukunft des neutralen Handels er-
warten (S. 266 und S. 227). Beide sollten bedenken, daß nur
die Freiheit frei macht. Und sie hat, wie wir sehen, schon den neu-
tralen Handel frei gemacht. Mit dem Niederstürzen der Zollschranken,
und dem Aufgeben der Navigattonsaclen, durch die Annäherung, nicht
durch die Absperrung der Nationen ist dies Resultat zu Stande ge-
kommen; hoffen wir, daß sich an diese Beschränkung der BeuteMd
auf dem Meere auch bald die Aufhebung derselben knüpft. Der
geringe Werth, den bei Unantastbarkeit des feindlichen Guts an

*) Dieselbe Ueberzeugung spricht sich in einem Artikel des Law Review
Vol. XX. p. 163 aus.

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