Full text: Kritische Zeitschrift für die gesammte Rechtswissenschaft (Bd. 3 (1856))

204 Soetbeer: Grundzüge des SeevölkerrechtS der Gegenwart.
tralen Frachtverkehrö festgesetzt und man war 1781 von Seiten Eng-
lands ganz geneigt, auf Grund jenes Vertrags von 1674 einen
Separatfrieden mit Holland zu schließen; allein die Unterhandlungen
zerschlugen stch, und Holland und England machten endlich Frieden
ohne Erneuerung dieser dem neutralen Scehandel günstigen Klausel.
Aehnlich stand es mit Spanien. Im Jahre 1665 war zwischen
ihm und England ein Vertrag abgeschlossen worden, dessen Art. 29
und 30 die Regeln: frei Schiff, frei Gut, unfrei Schiff, unfrei
Gut aufstellten; allein 1713 zu Utrecht ward in den Verträgen
zwischen Spanien und England nichts über diesen Gegenstand be-
stimmt. Es ist daher ungenau, wenn Wheaton, der übrigens
auch jenen Vertrag von 1665 nicht kennt, sondern den von 1667 als
den ältesten spanisch-englischen, der jenen Grundsatz enthalten solle
aber nicht enthalte, angibt (Histoire II. S. 164), bemerkt, daß der
Pariser Friede, der nur die Utrcchter Verbindungen erneuert, jenen
Grundsatz für England, Frankreich und Spanten bestätigt habe
(Elemente vol. II. chap. III. §. 20). Daö neueste Mitglied des
Völkersystems, Nordamerika, ließ es sich am angelegensten sein, durch
Verträge dem Prinzip der Handelsfreiheit Bahn zu machen, so in
den Verabredungen mit Frankreich, Holland, Schweden und Preußen.
So schien allerdings für einen künftigen Krieg der neutrale
Handel mit schützenden Garantieen umgeben zu sein; allein cs ist
doch darauf aufmerksam zu machen, daß diese Verträge regelmäßig
nur für den Fall berechnet waren, daß stch einer der Contrahenten
im Kriege, der andere in der Neutralität befand. Dies wurde na-
mentlich von Lord Grenville hervorgehoben, als sich der damalige
LordLansdowne über die desfallsigeBestimmung des Eden-Vertrags
beschwerte. Ebenso hatten auch die Utrechter Stipulationen den Neu-
tralen keinen praktischen Vortheil gebracht. Desto wichtiger war nun
die Frage, ob nicht durch die vielen Verträge ein dem älteren derogt-
rendes Gewohnheitsrecht in Bezug auf den neutralen Frachtvcrkehr
begründet sei. Geßner behandelt diesen Punkt S. 78ff. und wenn
wir der Erörterung auch keine praktische Bedeutung für heutzutage
zugestehen können, ist er doch eins der interessantesten Motive für
die Theorie des Völkerrechts.
Alles wird sich darum drehen, ob wir diese Verträge als Aus-
nahme von dem geltenden Rechte oder als seinen Ausdruck anzusehen
haben. Zur Beantwortung dieser Frage muß man einen Blick auf

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