Full text: Volume (Bd. 3 (1856))

Hirsch u. Voßberg: Caspar Weinreich'S Danzkger Chronik. 201
Auch hier wiederholt sich die bereits anderweitig nachgewiesene
Erscheinung, daß die Hofmarke unverändert bei dem Stammhause
und dem zu diesem gehörigen Inventar verbleibt; die Hausmarke
hingegen, bei der größeren Beweglichkeit des städtischen Grundbesitzes,
mit der Familie, welche das Stammhaus verläßt, weiter wandert,
und, ähnlich dem Wappen, als bloßes Zeichen der Familie unver-
ändert verbleibt. Völlig neu dagegen ist, unseres Wissens, der Nach-
weis, daß bei Abzweigung einzelner Mitglieder von der Familie
durch Niederlassung in einer andern Stadt, durch Ergreifung eines
neuen Gewerbszweiges, durch Gründung einer neuen Firma schon
seit dem fünfzehnten Jahrhundert mit der im Ganzen beibehaltenen
Familienhausmarke eine kleine Veränderung durch Beifügung oder
Abnahme eines oder mehrerer Striche vorgenommen zu werden
pflegte. Die Herausgeber haben Proben solcher Veränderungen bei-
gcfügt. Auch machen sie auf einen interessanten Unterschied in der
äußern Form der Hof- und Hausmarke aufmerksam. In der letzte-
ren herrscht in der Regel eine gerade senkrechte Linie vor, an welche
sich kleinere Linien in mannigfaltigster Weise anschließen.
Bereits im vierzehnten und füufzebnten Jahrhundert finden sich
besonders im Siegel die Namen oder Namenszeichen neben der Marke;
seit der Mitte des sechzehnten Jahrhunderts tritt sie bei den Ge-
schlechtern gegen das Wappen, bei den Bürgern gegen den Namenö-
zug zurück.
Daß noch jetzt die Hofmarke als Surrogat der Namensunter-
schrift in einzelnen Gegenden vorkommt, ist bekannt; meistens indeß
ist auch bet Schreibunkundigen das alte angebornc Zeichen von den
drei Kreuzen verdrängt. Dem Referenten ist in der Praxis kein
Fall vorgekommcn, daß Analphabcte anders als mit diesen, oder
allenfalls mit ihrem NamenSzuge unterzeichnet hätten. Eigenthüm-
lichc Unklarbeit und Schwanken zeigt sich in den Preußischen Rechts-
büchcrn. Nach A. L. R. I. 12. §. 115. 122. A.-G.-O. II. 2. §.46
soll der Schreibcnsunkundige „sein Handzeichen", nach A. L. R. I.
5.§.175 „Kreuze oder ein anderes gewöhnliches Hand-
zeichen" beifügen. Der jüngere Anhang zur A.-G.-O. §. 69.71
kennt nu^ noch die drei Kreuze.

vr. Goldschmidt.

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