Full text: Kritische Zeitschrift für die gesammte Rechtswissenschaft (Bd. 3 (1856))

200 Hirsch u. Voßberg: Caspar Welnreich'S Danzlgcr Chronik.
schwunden; sehr viel häufiger und in fast allgemeinem Gebrauch zeigt
sie sich noch jetzt auf dem zum Hofe gehörigen Inventar, besonders
den Thteren, eingeschnitten, aufgemalt oder eingebrannt; in Kirchen
sind die zum Hofe gehörigen Kirchenstühle, auf den Friedhöfen die
Leichenstetne, die Grabdenkmäler, die Erbbegräbnisse damit versehen.
Bisher unbekannt ist der noch jetzt sehr allgemeine Gebrauch, auf
einer im Schulzenhof zu Controle über die geleisteten Schaarwerks-
dienste ausgestellten Tafel sämmtltche Höfe nur mit ihren Marken
zu bezeichnen.
Daß auch in diesen Gegenden die Hofmarke neben der Namens-
unterschrift als Bekräftigung, ja statt ihrer gebraucht ward, wird
durch Urkunden auS der zweiten Hälfte des siebenzehnten Jahrhun-
derts dargethan.
Von HauSmarken findet sich, nach Angabe der Herausgeber,
eine von denselben angelegte reichhaltige Sammlung im Danziger
Stadtarchiv, darunter auch aus Straßburg, den Niederlanden, und
Kaufmannszeichen aus Genua.
In Danzig bedienten sich der Hausmarke vom dreizehnten bis
zum sechzehnten Jahrhundert sämmtliche angesessenen Bürger, auch
die regierenden Geschlechter, die letzteren statt ihres Wappens und
zugleich mit diesem selbst außerhalb des kaufmännischen Verkehrs.
Der letzte Punkt wird gegen die Herausgeber des Lübtschen Urkun-
denbuches und gegen Lisch überzeugend nachgewiesen.*) Sie findet
sich an Kirchen, Hospitälern, den zu solchen gehörigen Grundstücken,
unzähligen Prtvatwohnungen, selbst bloßen Speichern; ebenso auf
beweglichem Corporations - und Familieneigenthum aller Art, na-
mentlich auf den einer Kirche zugehörigen Büchern; im kaufmänni-
schen Verkehr auf Waarenballen und Begleitschreiben; in einem dem
fünfzehnten Jahrhundert angehörigen Handlungsbuche sind die darin
erwähnten Kaufmannshäuser mit ihren HauSmarken angeführt; ferner
auf den Erzeugnissen der Gewerke nicht allein das Gewerkszeichen,
sondern auch die Hausmarke des Meisters.
Vor allem dienteu sie zur Untersiegelung kaufmännischer Wil-
lenserklärungen.

*) Lüb. Urkundenbuch I. S. 761. 762. Lisch, Jahrbücher des Vereins für
Mecklenburgische Geschichte XI. S. 183ff. 6k. auch Michelsen, die Hausmarke
S. 15. 25. Steh jedoch eod. S. 53. 54. und Homeyer, Ueber die Heimathre.
(Philos. und histor. Abhandl. der Berliner Akademie 1652. S. 92).

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