Volltext: Band (Bd. 3 (1856))

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Temme: Anleitung zur Civllproceß-PrarlS.

biete des Rechts, und insbesondere des Civil- und Civilproceß-Rechts
einen völlig neuen Umschwung erfahren hat. Selbst das neueste un-
ter denselben, von GenSler (Anleitung zur gerichtlichen Praxis
1821), steht noch mit einem Fuße auf dem Boden, der noch nicht
von den Koryphäen unserer Wissenschaft, von v. Savigny, Puchta,
H cf ft er, Mit term ater u. s. w. und ihren zahlreichen Jüngern
umgeackert und mit einem neuen Geiste befruchtet war. Eine An-
leitung zur praktischen Anwendung einer Wissenschaft muß aber,
wenn sie anders brauchbar sein soll, die letzte und höchste Gestaltung
dieser Wissenschaft zu ihrer Grundlage und Voraussetzung haben. So
sah sich denn der Lehrer, welcher das Civilprocefipractikum zu leiten
hatte, vergebens nach einem brauchbaren Buche um, das er seinen
Zuhörern zu eigener Lektüre batte empfehlen können, um nicht die
wenigen Stunden, die ihm für diese praktischen Hebungen zngemcffen
sind, durch Ausarbeitung und Diktat eines Heftes noch mehr ver-
küntmcrn zu müssen. Aber nicht bloß für den eigentlichen Unterricht
war eine Arbeit wie die vorliegende Bedürfnis;; auch der angehende
Praktiker mußte es nur zu oft unangenehm empsindcn, wenn er sich
bei seinen ersten Arbeiten im Vorbereitungsdienst Raths erholen wollte,
sich auf unleserlich und siüchtig geschriebene Kollegienheftc oder aus
halb veraltete Bücher verwiesen zu sehen. Es wird daher gewiß nicht
verkannt werden können, daß die Aufgabe, die sich der Berfasier ge-
steckt hat, eine durchaus zeitgemäße ist. Daß aber Temme dieser
Aufgabe gewachsen sei, daß gerade mehr er als die meisten andern ju-
ridischen Schriftsteller und akademischen Lehrer für eine solche Arbeit
berufen sei, dafür bürgt uns seine langjährige praktische Thätigkeit,
die er erst seit wenigen Jahren mit einem akadeinischcn Lehramte
vertauscht hat.
Auf eine nähere Zergliederung und Kritik deö Inhalts der Schrift
wollen wir uns hier nicht weiter cinlasscn. Es versteht sich von selbst,
daß darin keine Ergebnisse neuer selbstständiger Forschungen nieder
gelegt sind. Daß aber der Verfasser ganz und gar auf dem Boden
der modernen Rechtswisienschaft stebt, davon gibt jede Seite des Buches
Zeugniß. Gewiß höchst empfehlcnswerth für den praktischen Gebrauch
ist die Gedrängtheit und Kürze des Werkes, indem cö auf 204 Ok-
tavsetten den gesammtcn Stofs behandelt, wie er sich herkömmlich für
Vorlesungen und Werke dieser Art festgestellt hat. In dem beson-
dern Theile von 8- 26 bis zum Schluffe werden zunächst alle Stu-

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