Full text: Volume (Bd. 3 (1856))

17. Goldschmidt, Untersuchungen zur I. 122. §. 1. D. V. O, (45. 1)

182 Goldschmidt: Untersuchungen ;>:r I. 122. §. 1. D. de V. 0.
teil gegen Richter und Urtheiler. Die neueste Schrift über ihn, welche
von Unger herrührt,*) hätte' der Verfasser erwähnen sollen. Auch
mehrere in ihr besprochene wichtige Fragen übergeht Sachße ohne
Weiteres. Doch gehört, was er §. 22 gibt, wo vom Kampf als
Beweismittel geredet wird, zu den gelungensten Parthien des Buches.
S. 206 beginnt die zweite Abtheilung, welche die An-
wendung und das Verhältniß der Beweismittel zu einander behandelt.
Der Beweis fiel im Allgemeinen dem zu, der eine eigene Hand-
lung behauptete oder leugnete, nach dem Grundsätze: „facti proprii
unusquisque praesumitur melius scire veritatem“ (Leges Norm.
II. 63. §. 1). Doch verlangte man Bürgschaften dafür, daß der,
welcher am besten die Wahrheit wissen mußte, auch wirklich den auf-
richtigen Willen habe, sie unverkürzt zu bekennen. Vergl. S. 216 ff.
Hinsichtlich des Verhältnisses der verschiedenen Beweismittel zu
einander entwickelt der Verfasser, daß der gerichtliche Augenschein das
vollkommenste gewesen sei. Ihm zunächst stand der Record des Ge-
richts. Kamen beide zusammen in Eolliffton, was jedoch nicht leicht
möglich erschien, so siegte jener. Ein sonstiger Gegenbeweis war aber
auch gegen den Record unzulässig. Von selbst versteht sich übri-
gens, daß diese Beweisarten, wenn sie ausschließlich sein sollten, das
ganze Thema probandi umfassen mußten. Auch die Beweise mit Ur-
kundspersonen und mit Urkunden galten für bevorzugte. Sie konn-
1m nicht durch Eid, Zeugen, Gottesurthetle ausgewogen werden. Der
Verfasser erörtert weitläufig diese Grundsätze und spricht dann in dm
letzten Paragraphen von dem Verhältnisse der übrigen Beweismittel
zu einander.
Dr. Hillebrand.

Untersuchungen zur I. i*». $. f. » de V. O. (45. l.) von
Dr. L. Goldschmidt, Privatdozentcn in Heidelberg.
Die bereits vielfach ausgelegte schwierige Pandectenstelle 1. 122.
§. 1. D. de V. 0. ist in der vorliegenden Schrift abermals Ge-
genstand der Jnterpretatton geworden. Der Vers, hat sich dazu be-
sonders durch den Wunsch veranlaßt gefühlt, Etwas zur Neubelebung
der eregettschen Studien betzutragen, denen er ihre, durch die syste-

*) Der gerichtliche Zweikampf bei den germ. Völkern. 1847.

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