Full text: Volume (Bd. 3 (1856))

172 Leist: Erlaubteunberuf.Eingreif.inftcmdeVcrmögenSangelegenheiten.
terscheidet, daß der §estor nicht sich selbst, sondern einen Dritten
irrthümlich für den Verpflichteten hält.
Die Bezahlung einer ächten Schuld, Erfüllung einer wahren,
auf dem Wege Rechtens geltend zu machenden Verbindlichkeit ist
ein negotium necessarium und wird auch von unferm Verf. dazu
gerechnet. Auffallenderweise aber erscheint obige Stelle bei ihm in
dem Register der utilia nexotia (S. 134 Nr. 5) mit der Erläute-
rung: „Bezahlung einer Schuld ohne necessitas." Warum?
Kann das Vermächtniß einer einem Dritten gehörigen Sache nicht eine
„juristisch begründete Verpflichtung" (S. 124) erzeugen und muß
daran nicht gerade hier gedacht sein, weil sonst von „libcrare^ keine
Rede sein dürfte? Ferner: Verf. sagt über unsere Stelle (S. 134):
„so weit der Erbe hiedurch liberirt, also bereichert wird,*)
findet die A. ne§. gestorum Statt." Kann aber von Liberirung oder
gar von Bereicherung gesprochen werden, wenn ein Anderer für mich
etwas bezahlt, welches ich zu zahlen nicht nöthig habe? Und end-
lich: wodurch ist denn das ganze ncxotium der Zahlung in unserer
Stelle ein alienum als eben re ipaa, nämlich dadurch, daß ein
Anderer sie schuldet? — Handelt cS sich aber in unserer Stelle
um eine juristische Verpflichtung, so beweist sie auch, was schon
a priori nicht anders sein kann, daß nicht bloß bei dem utile (wie
Verf. annimmt), sondern auch bei dem necessarium negotium
die contemplatio üomini fehlen darf. Und zwar muß hier die a.
contraria auf vollen Ersatz gehen, wie obige Stellen bestätigen.
Wir betrachten mit diesen Bemerkungen die Frage über die con-
templatio elomini keineswegs als erschöpft, verlassen sie indeß, um das
Gebiet einer Recension nicht zu überschreiten. Warum aber der
Verf. ein näheres Eingehen auf dieselbe vermieden hat, vermögen
wir nicht einzuschcn, denn wir sind keineswegs der Meinung, daß
sic „für den weiteren Gang seiner Untersuchung nicht von Einfluß"
(S. 100) gewesen wäre. Zwar gestehen wir jedem Schriftsteller das
Recht zu, sein Gebiet beliebig zu beschränken, allein solchen Fragen,
welche innerhalb desselben von wesentlicher Bedeutung sind, darf er
nicht aus dem Wege gehen.

*) Nebenher möchten wir fragen, wie es sich mit den S. 81 und 82 gege-
benen Erörterungen verträgt, daß hier die Zahlung einer fremden Schuld unter der
Rubrik der utilia negotio figurirt?

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