Full text: Volume (Bd. 3 (1856))

Bluntschli: PrivatrechtlichcS Gesetzbuch für den Kanton Zürich. 13
haltender Entwurf des Erbrechts hervorgegangen, welcher demnächst
tm Druck erscheinen und sodann dem großen Rathe zur Sanktion
unterbreitet werden wird.
Die Anordnung des Stoffes, welche sich schon jetzt vollständig
übersehen läßt, muß, wenigstens im Vergleiche mit den drei großen
Vorbildern moderner Kodifikation, der preußischen, französischen und
österreichischen, für höchst gelungen erklärt werden. Cs ist dabei die
am schärfsten von Puchta Kursus der Institutionen Band I. §.30
entwickelte Eintheilung der Rechtsvorschriften nach dem Gegenstände
der Rechte (im subj. Sinne) als das leitende Princip, als Grund-
gedanke fcstgehalten, von dem nur hier und da aus Gründen der
Zweckmäßigkeit abgcwichen ist. Das Ganze zerfällt hiernach in drei
große Gruppen von Rechtsinstituten, jenachdcm der Gegenstand der
durch sie geregelten Berechtigungen: Person (Persönlichkeit), oder
Sache oder endlich als selbständig, als losgctrennt von der Person
gedachte Handlung einer Person ist. Die erste Hauptgruppc zerfällt
wiederum in drei kleinere Gruppen, jenachdcm die Persönlichkeit deS
Berechtigten selbst (Pcrsonenrecht im engern Sinne), oder eine von
ihm getrennt bleibende Persönlichkeit (Familicurecht im weitern Sinne)
oder endlich eine auf ihn übergehende, mit seiner Person verschmol-
zene fremde Persönlichkeit (Erbrecht) den Gegenstand bildet. Diesen
drei kleinern Gruppen des einen Haupttheiles entsprechen ebensoviele
Bücher, die aber nicht, wie eS im Entwürfe von 1814 beabsichtigt
war, a»ch der Reihe nach aufeinander folgen. Dem Erbrechte, wel-
ches das fünfte und letzte Buch bilden wird, sind die beiden anderen
Hauptgruppen als 3. und 4. Buch vorangestellt worden. Es ge-
schah dies wohl aus dem doppelten Grunde, erstens weil die Bestim-
mung des Gesetzbuchs als eines Volkslehrbuchs diese Unterbrechung
der streng logischen Reihenfolge dringend erheischt, indem das
Verständniß des Erbrechts bekanntlich die Kenntntß des Sachcn-
und Obligationenrechtö voraussetzt, zweitens weil eine Einigung über
eine legislative Neugestaltung des Erbrechts aus Gründen, die
mit der bisherigen Beschaffenheit desselben Zusammenhängen, mit weit
großer« Schwierigkeiten als über die andern Rechtsgebtete verbunden
war. Dem 1. Buche ist eine nur 7 §§ umfassende Einleitung „von
der Anwendung der Rechte" vorangestellt, in welcher einige Grund-
sätze über das s. g. internationale Privatrecht enthalten find. Das
1. Buch selbst, welches von §. 8—58 „das Personenrecht" (im engern

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