Full text: Kritische Zeitschrift für die gesammte Rechtswissenschaft (Bd. 3 (1856))

Leist: Erlaubte ungeruf. Eingreif, in fremde Vermögenrangelegenheite». 161
hingestellt; aber „auf die Einzelheiten, welche bet diesem Punkt als
zweifelhafte und bedenkliche in Bewacht kommen, will der
Verfasser hier nicht etngehen." Der Begriff der Oontemplatio alte-
rius wird unserer Ansicht nach mangelhaft definirt als „Willensrich-
tung des Gestors, daß er das Geschäft für einen Andern führe."
Denn für Jemanden handelt auch der, welcher ganz selbstständig
und nur im Interesse eines Andern handelt. Wir haben es daher
für nothwendtg erachtet, dieses „für" näher dahin zu bestimmen, „in
dem Bewußtsein und in der Absicht, sein Stellvertre-
ter zu sein." Als subjektives Erforderniß in der Person des
Dominus wird hingestellt: man müsse, auch wenn seine Voluntas
nicht vorliege, in probabeler Weise sagen können: dominum «adern
facturum fuisse. Damit stimmen wir völlig überein und darauf
gründen wir gerade unsere Theorie von der Fiction des Auftrags.
Mit Recht aber glauben wir, vom Verfasser abwetchen zu müssen,
wenn er neben diesem Requisit noch verlangt: einmal, daß der
Gegenstand, auf den sich daS Geschäft bezieht, dem Dominus nicht
inutilis sein dürfe, d. h. daß ein utile negotium vorltegen müsse,
und ferner keine Prohibition von Seiten des Dominus stattgefunden
haben dürfe. Wir sind der Ansicht, daß sich das erforderliche ne-
gotium utile gerade dadurch characterisire, daß man sagen könnte:
dominum eadem facturum fuisse, und daß die nothwendige Abwe-
senheit der Prohibition des Dominus eine sich von selbst erge-
bende Consequenz dieses Requisits ist. Es dürfte einer von den
Vorzügen der Theorie des fingirten Auftrags sein, diese mehreren
Requisite auf eins reducirt zu haben.
Endlich erwähnt der Verfasser unter den subjective« Voraus-
setzungen der act. n. g. contraria, daß, wenn ein Dritter mit dem
Gestor contrahtre, der animus dieses Dritten nothwendtg eine ver-
schiedene Gestalt (?) haben müsse von dem animus negotia gerendi,
welchen der Gestor unter der bestimmten contemplatio domini habe,
denn, wenn dies nicht der Fall wäre, so müßte ja auch diesem Drit-
ten die actio negot. gest. contraria zustehen. Diese Behauptung
erscheint unS mit dem dafür angeführten Grunde durchaus irrig.
Denn in L. 6. §. 3. D. d. neg. gest. (3. 5) heißt es: Si procu-
ratori tuo mutuam pecuniam dedero tui contemplatione — —
■— — adversus te negotiorum gestorum habeo actionem,
adversas eum, cum quo contraxi nullam. Wenn also der Con-

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