Full text: Kritische Zeitschrift für die gesammte Rechtswissenschaft (Bd. 3 (1856))

Leist: Erlaubte ungeruf. Eingreif. in fremde VermögenSangelegenhette». 159
Auftrags im Justinianischen Recht so vollständig ausgebildet vor-
liegt, daß die heutige Theorie nur nöthig hat, cs mit Händen zu
greifen und auszusprechen. Wetter behauptet der Verfasser, daß die
negotiorum gestio mit der Bezeichnung eines fingirten Mandats nicht
im Mindesten innerlich characterisirt sei. Will der Verfasser damit
sagen, daß mit jener Auffassung für die Theorie des RechtS Nichts
gewonnen sei, so ist dies unwahr. Denn damit ist soviel gewonnen,
daß alle Rechtssätze über Entstehung, Inhalt, Schutz und Aufhe-
bung des obligatorischen Verhältnisses, auö welchem die act neg. g.
contraria entspringt — so weit sie das Römische Recht nicht selbst
als Ausnahme behandelt — aus einem einzigen Princip von selbst
sich entwickeln, wie wir mit größter Evidenz in unserer Abhandlung
nachgewiesen zu haben glauben, und diese Vereinfachung für die Dar-
stellung und die Erlernung dieser Materie dürfte denn doch immer
als ein nicht ganz unerheblicher Gewinn zu betrachten sein. Ueber-
dicS führt jene Theorie zu einer vernünftigen Entscheidung wichtiger
Rechtsfragen, für welche es sonst an einem sichere» Anhaltspunkte
fehlen würde. Endlich beseitigt sic gangbare Jrrthümer, welche zu
entschiedenen Absurditäten führen. Will dagegen der Verfasser sagen:
durch die Theorie des fingirten Aliftrags werde weder die volks-
wirthschaftliche noch die juristische Bedeutung deS Instituts characte-
risirt: so ist dies in ersterer Beziehung richtig, lieber den Nutzen
der act. neg. gest. contraria für die Gesellschaft verbreitet diese
Theorie kein Licht; — diese Bedeutung deS Instituts, die für die
salus, publica, ist, wie oben geschehen, durch anderweitige Reflexionen
zu finden. Was dagegen die juristische Bedeutung des Instituts,
d. h. seine Stellung im System des Civilrechts betrifft, so wird diese
scharf und richtig durch die Theorie des fingirten Auftrags bestimmt.
Die Rechtfertigung dieser Behauptung findet der Verfasser im §. 19
unserer Abhandlung. Zur richtigen Würdiguitg dieser Theorie ist
aber allerdings das, was im Römischen Recht als ein Institut der
negotiorum gestio erscheint, in drei verschiedene Institute zu zerle-
gen: das Gebiet der Ratihabitio» oder des nachgeholten Auftrags,
des fingirten Auftrags, endlich das deS rein objektiven Negotium
alienum. Und was führt denn nun der Verfasser an, um das
„innere Wesen" des obligatorischen Verhältnisses der act. contraria
zu charaeterisiren? Es ist eine „Zustands-Obligatton"; — jedoch
nicht ganz, sondern nur „vorzugsweise" eine Zustandsobligation. Ohne

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