Full text: Kritische Zeitschrift für die gesammte Rechtswissenschaft (Bd. 3 (1856))

158 8Hfl: Erlaubte ungeruf. Eingreif. in fremde VermögenSangelegenheiten.
sie mit Erfolg gemacht werden sollen, erfordern lange Uebung in der
Anschauung gesellschaftlicher Zustände, auch einiges Studium der
National-Oeconomie; aber in Wahrheit unbegreiflich ist es, daß der
Verfasser nicht, von andern Andeutungen der Quellen abgesehen, durch
Justinians Institutionen auf die richtige Spur geleitet worden ist.
Denn in den Worten des §. 1. J. d. obl. quasi ex contractu: — ne
— —. desererentur negotia, quae sane nemo curaturus
esset, si de eo quod quis impendisset nullam habi-
turus esset actionem ist doch handgreiflich ausgesprochen, was
wir eben als Ergebniß auö der Natur der Sache hingestellt haben.
Für die actio neg. gest. contraria handelt es sich also nicht von
ungerufenen Eingriffen in fremde VermögenSangelegenheiten, welche
erlaubt sind, sondern von wünschenswerthen Handlungen
für Andere, welche wie gerufen kommen.
Der Verfasser erklärt sich, und zwar — wie es uns vorkommt
— in einer etwas höhnenden Weise gegen die Fiction eines
Mandats, — oder richtiger ausgesprochen, gegen die Fiction eines
Auftrags. Wir müssen zunächst gegen den Ton des Verfassers
bemerken, daß das, selbst mißlungene, Streben, einen Compler wirr
durcheinander geworfener Rcchtösätze auf eine einzige Grundidee zu-
rückzuführen, Achtung, und die Arbeit, welche erforderlich ist, um
zur Aufstellung eines Princips zu gelangen, Anerkennung ver-
dient. Der Verfasser hätte hier um so vorsichtiger und leiser anf-
treten sollen, als er überall gar Nichts angeführt hat, was auch
nur irgend den Namen einer Widerlegung jener Theorie verdiente.
Der Verfasser behauptet, jene Theorie „beruhe auf Unklarheit über das
dogmatische Wesen der Fiktionen." Durchaus nicht! Es ist hier überall
nicht von einem dogmatischen Begriff der Fiction, gar nicht da-
von die Rede, was die Römer unter einer actio lictitia verstanden,
sondern von dem ganz vulgären Begriff der Fiction — von der
Annahme eines Umstandes, welcher in der Wirklichkeit nicht vorlicgt.
Und darüber kann sich Niemand unklar sein. Zene Behauptung
des Verfassers beruht also auf sei»er Unklarheit über daS Wesen
der von ihm bestrittenen Theorie und ganz besonders auf der größten
Unklarheit über die geschichtliche Entwicklung der act. neg. g. con-
traria. Wir beschränken uns den Verfasser auf die §§. 2—16
unserer Abhandlung hinzuweisen, wo er — so hoffen wir — die
völlige Ueberzeugung gewinnen wird, daß die Theorie des fingirten

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