Full text: Kritische Zeitschrift für die gesammte Rechtswissenschaft (Bd. 3 (1856))

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Bodemeyer: Die Zahlen des Nom. Rechts.

vielfach thatsächlich anerkannt hat, wie in den meisten Fällen ein Er-
klärungsversuch zu keinem andern Resultate führen kann als zu dem
Geständniß, daß Rücksichten der Zweckmäßigkeit, Belieben oder Zufall
ihr Spiel getrieben haben. Wir loben es daher, daß der Verf. bet
der Mehrzahl der Nummern seines Verzeichnisses sich jeder weitern
Erörterung enthält.
Es ist dagegen etnzuräumen, daß es einen gewissen Kreis von
Zahlenbestimmungen gibt, die eine weitere Herleitung zulassen. Will
man sich hiebet nicht der Mystik mit gebundenen Händen überliefern
und gestaltlose Intuitionen für Erklärung ausgeben, so scheinen uns
die Grenzen der Deutung sehr bestimmt gezeichnet zu sein. Es kann
sich dann nicht darum handeln, der Zahl an und für sich einen Sinn
beizulcgen, mit der Ziffer selbst eine Idee zu verknüpfen und diese
zu enthüllen, sondern nur darum, zu erkennen, warum sich eine und
dieselbe Zahl auf den verschiedenen Gebieten der Religion, des öffent-
lichen und des Privatrechts wiederholt. Von dieser Erscheinung aus-
gehend, besteht die Aufgabe darin, zu untersuchen, ob zwischen jenen
Zahlenbestimmungen ein Zusammenhang stattfinde und welcher Art
derselbe sei. Man wird hiebei gewöhnlich finden, daß Religion und
öffentliches Recht das Ursprüngliche, Bestimmende und unter sich in-
nigst Verwandte sind. Gelingt es dann aber, weiter im Einzelnen
zu zeigen, wie jene auf dieses und beide wiederum auf das Privat-
recht einwirkten, und wie überall dieselben Zahlenbestimmungen wirk-
lich durch verwandte Anschauungen hervorgerufen sind; gelingt es
ferner, die Zahlen als Fingerzeige zu benutzen, um innere Verwandt-
schaft auch unter verschiedenen Gebieten des Privatrechts aufzudecken:
so ist damit ein dankenswerther Fortschritt in der geschichtlichen Er-
kenntniß des Rechts geschehen. Man kann unter Umständen noch
weiter zurückgreifen, und Nachweisen, wie eine Zahl im Cultus sich
einbürgerte, angelehnt an gewisse äußere Thatsachen; allein hier ist
schon die bedenkliche Gränze, wo die Gefahr beginnt, daß man es
unternehme, religiöse Anschauungen zu deuten, die als unerklärbare
Thatsachen den Völkern mitgegeben sind.
Verf. hat sich im Ganzen innerhalb der hier gezeichneten Grän-
zen bewegt und darin eine große Anzahl combtnatorischer Versuche
im Einzelnen entfaltet. Zu bedeutenden, schlagenden Resultaten ist
er aber im Grunde nirgends gelangt und seine Combtnationen selbst
könne^ &ur($au* immer glückliche genannt werden. So wird

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