Full text: Kritische Zeitschrift für die gesammte Rechtswissenschaft (Bd. 3 (1856))

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Köstltn: System des deutschen Straftechts.

Auffallend ist es, bet K östltn die Aeußerung zu finden (S. 423),
daß die Rechtsphilosophie überhaupt, namentlich die Strafrechtsphilo-
sophie eine wichtige Hülfs Wissenschaft deö Strafrechts sei, da er
erklärt hat, daß er von einer wissenschaftlichen Behandlung des Straf-
rechts ohne philosophische Grundlegung keinen Begriff habe, und in
seinem ganzen wissenschaftlichen Streben und Wirken ein Vorkämpfer
dieser Richtung ist. Die Strafrechtöphilosophie sollte man meinen,
konnte ihm eben so wenig bloße Hilfswissenschaft der Wissenschaft des
Strafrechts sein als die Strafrechtögeschichte.
Ein Abschnitt, der in der N. Revision sich nicht fand, ist hier
in ziemlicher Ausführlichkeit geboten, der von den S t r a f a r t e n. Von
den übrigen Abschnitten unterscheidet er sich dadurch, daß bei der
Beschaffenheit seines Objects eine „priucipielle Construction" cessiren
mußte; allein mit Recht hebt der Vcrf. hervor, daß sich doch aus dem
Begriff und Priucip der Strafe selbst Folgerungen ergeben, die zum
Bewußtsein gebracht werden müssen, wenn nicht die Kenntniß des po-
sitiven Rechts in dieser Materie zum vernunftloscn Gcdächtnißwrsen
werden soll. Er führt uns daher nicht bloß ein kleines Theatrum
poenarum vor, sondern prüft die einzelnen Strafen nach ihrer Recht-
mäßigkett und Zweckmäßigkeit. Besonders beachtenöwerth ist die Par-
thie von den Ehrenstrafen und die pikante Kritik der Prügelstrafen.
Die historischen Notizen über die Abschaffung und Wiedereinführung
der letzteren Strafart (S. 450) gehen weit über Deutschland hinaus,
was an sich nicht zu tadeln ist, allein wenn Neapel, Parma, Nor-
wegen berücksichtigt werden, so durfte man in einem System des
deutschen Strafrechts auch eine Berücksichtigung der Cantone der deut-
schen Schweiz, deren Strafgesetzbücher der Verf. an manchen Stellen
benutzt hat, erwarten. Wie überhaupt auf kleinem Raume die Schweiz
in ihren verschiedenen Kantonen eine wunderbare Mannichfaltigkeit des
Strafrechts aufweist und einige Kantone um Jahrhunderte in dieser
Hinsicht gegen andere zurückgeblieben sind, so ist hier auch der Geschmack
in Betreff der Strafarten und speziell der Prügelstrafe sehr verschie-
den. Während z. B. das Strafrecht von Zürich dieselbe nicht kennt,
ist man damit in dem benachbarten St. Gallen sehr freigebig. Auch
hinsichtlich der Verweisung und Verstrickung bietet die Schweiz ei-
genthümliche Gewohnheiten und Satzungen.
Eine auffallende Aeußerung macht K. auf S. 452: „Eine nicht
zu empfehlende, für Deutschland indessen seit der Versteigerung der

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