Full text: Volume (Bd. 3 (1856))

Köstltn: System des deutschen Strafrechts.

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zelne Anwendungen des Rechts, so weit sie von jener abgelöst und mit-
hin abgetreten werden können, ohne derselben Eintrag zu thun. So-
fern und so wett letzteres möglich ist, kann auf Setten dessen, der
sich eine solche Abtretung zu Nutz macht, natürlich von gar keinem
Unrecht die Rede sein. Allein auch bei Verletzungen, welche nicht auf
diese Weise zu erlaubten Handlungen werden, erscheint doch immer
in Folge der vorausgegangenen Etwilligung deö individuellen Trägers
des Rechts das Unrecht geringer, als wenn der substantielle und
der actuelle Wille der Person zugleich verletzt werden." Diese
Begründung ist gewiß sehr scharfsinnig zu nennen, ihre Durchführung
ist aber nicht leicht. — Der von K. hinzugefügte Satz: „Unrichtig
ist aber die Ansicht, welche das Moment der geringeren Widerrecht-
lichkeit hiebei von der objectiven auf die subjective Seite herüber ver-
legt", soll natürlich nicht das Subjective ganz in den Schatten stellen,
denn die bekannten Fälle der Tödtung eines Einwilligenden aus neuerer
Zeit führen fast alle auf irrige Vorstellungen des Thäters hin, die
gar sehr eine Berücksichtigung verdienen.
Seine Theorie vom N o t h r e ch t (Nothstand) hat der Verf. hier,
§. 37, unter einer anderen Rubrik als in der Revision wiederholt
und auch den Fall von der Tödtung des lebenden Kindes im Mut-
terleibe durch den Arzt, die früher durch Perforation bewerkstelligt wurde,
den er in der Revision ausführlich und kritisch behandelt hatte, kurz
berührt. Er nimmt ein Nothrecht an, „wenn das Leben selbst (das
mit dem Dasein der Persönlichkeit und Rechtsfähigkeit überhaupt in
Eins zusamenfällt) mit einem einzelnen Rechte der Persönlichkeit
(besonders dem Eigenthum), — resp. das wirkliche Leben mit dem
erst als möglich zu erachtenden collidirt." Aber ein Leben des Kin-
des, und zwar ein wirkliches, im Mutterleibe ist doch da, sonst könnte
ja nicht von einer Tödtung die Rede sein, weder hier noch in dm
Fällen der Embryoktonie. Der Arzt weiß in jenem Falle, daß
das Kind im Mutterleibe lebt, und nimmt eine Handlung vor, durch
die es getödtet wird, zum Zwecke das Leben der Mutter zu sichern.
Um seine Theorie auf diesen Fall anzuwcnden, hätte K. auf den
Unterschied von Fötusleben und Respirattonsleben eingehen könnm;
in dieser enorm kurzm Behandlung hat die Subsumtion des Falles
unter die Theorie keine Berechtigung.
Die mit seiner Bestimmung des Begriffs der Handlung zusam-
menhängende Unterscheidung von Zurechnungsfähigkeit über-

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