Full text: Volume (Bd. 3 (1856))

134 Köstli»: System des deutschen Strafrechts.
tischen Philosophie" aus, deren „Seele der Uebermuth des Sollens
gegen die Wirklichkeit" war, nicht hatte bewerkstelligen können. Wenn
man auch erkennen mußte, daß dieses Unternehmen Köstlin's ge-
reist war im mehrjährigen energischen Denken, so konnte man doch
nicht verkennen, daß manche Parthieen des Buchs mit einer Hast
ausgeführt waren, die sich wohl erklären läßt aus dem Thatendrange
des Verfassers, aber doch dem Werke nicht wenig geschadet hat. Dem
vor reichlich zehn Jahren erschienenen ersten Bande der neuen Revision,
der den s. g. allgemeinen Thetl des Strafrechts behandelt, sollte ein
zweiter historischer Theil folgen und sogar ein dritter Band die dog-
matische Darstellung des Württemb. Strafrechts bringen. Dieses Ver-
sprechen ist nicht erfüllt worden, so wenig als eine Fortsetzung der
Lehre vom Mord und Todtschlag geliefert ist. K v st l i n ist auf diese
Weise etwas ins geistige Schuldenmachen hincingerathen; statt jener
Fortsetzungen hat er uns aber jetzt die erste Abtheilnng eines Systems
des deutschen Strafrechts geboten. Dieselbe erscheint von einer Seite
als eine Revision der neuen Revision des Strafrechts, ist aber doch
durchaus nicht eine zweite Allflage derselben mit verändertem Titel.
Die Anordnung des allgemeinen Theils des Strafrechts ist in
diesem „System" weit einfacher als in der „neuen Revision", und
verdient ein volles Lob. Die daraus resultirenden Gesichtspunkte für
manche spezielle Lehren dieses Theils sind überraschend, und abge-
sehen von dem Gewinne, den die Ausführmigen bringen und auch
wenn sich dagegen Vieles einwenden läßt, wie das ja nicht anders
sein kann, wird die^Systembildung in diesem Werke Epoche machen
und wir dürfen mit Sehnsucht dem zweiten Bande cntgegensehen,
weil die Systematik des speziellen Theils des Strafrechts noch weit
mehr im Argen liegt, als es mit der des allgemeinen Theils der
Fall war. Vergleichen wir Feuerbach's unselige Anordnung des
speziellen Theils mit derjenigen in Abegg's Lehrbuch (1836), so
sehen wir zwar, daß in der genannten Beziehung ein großer Fort-
schritt gemacht ist, aber die Wissenschaft hat einen weiteren großen
Fortschritt zu machen, damit ihrem Zuge die Strafgesetzbücher folgen
können, für welche man sich meistens damit begnügt hat, nach einem
gewissen ZweckmäßigkeitScalcül die Verbrechen zu grupptren, waS dann
bei den einzelnen Verbrechen grade für die wichtigsten Fragen Schwan-
ken und Unsicherheit zur Folge hat. Das baldige Erscheinen des
zweiten Theils dieses Werkes müssen wir auch -eßhalb sehr wünschen,

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