Full text: Volume (Bd. 3 (1856))

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Baudrillnrt: Cuditi et son temps, und

Zeit. Die Urtheile Bvdin's sind meistens correkt und weichen von
den heutigen, nachdem die großen Koryphäen der modernen Ge-
schichtsschreibung durch Wort und That ihre Kritik gegen ihre Vor-
gänger geübt, sehr selten ab. Von der ungeheuren Belesenheit Bo-
dtns gibt dieses Kapitel ein glänzendes Zeugniß.
Den Uebergang zum 5. Kapitel bildet die Wahrnehmung, daß
so viele tüchtige Geschichtsschreiber über so viele wichtige Fragen uns
Widersprechendes berichten. Um diese Zweifel und Unsicherheit zu
heilen, muß man die Dinge selbst ins Auge fassen, besonders den Cha-
rakter von Land und Leuten. Dies; geschieht nun in dem Abschnitte De
recto historiarum judicio, allein in einer Weise, die weder anziehend
noch lehrreich ist. Die Kenntnis; Bodin's umfaßt allerdings Alles,
was bis dahin von Plato an | Ende dcS 5. Buchs der Leges)
über das Verhältnis; des Klimas zur physischen und psychischen Na-
tur der Bewohner bemerkt worden, allein iu dem Labyrinth von
Citaten fehlt doch der rettende Faden des gesunden Menschenver-
standes, und Baudrillart hätte Bodin nicht so leichten Kaufs
davon lassen sollen (S. 150). Das Kapitel der R^publique, wel-
ches denselben Gegenstand behandelt — liv. 1. chap. 5. — ist be-
deutend besser gerathen. Die Beispiele sind nicht so zahlreich, der
Blick des Verfassers richtet sich mehr auf die großen Unterschiede,
und der Gesichtspunkt, von dem ans er daselbst die klimatischen Cin-
stüsse betrachtet, in wiefern sie für die Staatseinrichtnngcn Voraus-
setzungen und Ursachen sind, hält ihn von den Jrrgängen mittelalter-
licher Natltrphilosophie ab.
Das 6. Kapitel De statu rerum publicarum ist, wie Bau-
drillart sagt, die Vorrede oder das Resume der Republique. Schon
der Umfang dieses Abschnitts beweist, wie sehr wir Recht hatten, den
Methodus der staatswissenschaftlichen Literatur bcizuzählen — das
Kapitel füllt fast die Hälfte des ganzen Buchs.
Es beginnt mit der Bemerkung, daß der Staat den hervorra-
gendsten Inhalt der Geschichte auSmache. Sie spricht von nichts
Bedeutenderem, als dem Werden, Wachsen und Untergehen der Staa-
ten. Aber bei der Mannigfaltigkeit der Staatscrscheinungen hat es
doch noch keinen Schriftsteller gegeben, der aus der Erfahrung die
Frage nach dem besten Staate gelöst. Plato ist einseitig, selbst

*) Lettres de Calvin. Tom. II. p. 383.

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