Full text: Volume (Bd. 3 (1856))

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Baudrillari: J. Bodin et jon temps, und

nas omnino electivum gewesen. Selbst da, wo stch die Wahl
verloren hat, tritt doch eine Anerkennung von Seiten der
Magnates ein und erst darauf gilt der neue Fürst als solcher
trotz Thronbesteigung und Erbrecht (S. 67). So finden wir
hier auch den noch heutzutage so wichtigen Satz: Qui ex ea
stirpe proximi etiam sunt, non tarn Reges nascuntur, quam fiunt,
non tarn Reges quam Regni candidati habentur. Kein Wunder,
wenn nach solchen Prämissen der Verfasser auöspricht: Populum
universum Rege potiorem esse, daß er darauf aufmerksam macht:
Vivunt innumeri populi absque Rege; Regem absque Populo ne
mente quidem concipere possis. Allein was heißt es, daß der po-
pulus universus mächtiger sei? Dieß bezieht fich auch, wie schon in
der Quaestio secunda, auf diejenigen, qui populum legitime reprae-
sant. Hier bildet sich dann der Gegensatz zwischen fürstlichen und
Volks-Beamten, ofliciarii Regis und Regni. Diese dienen zum
Schutz der Volksrechte, jene dem Bedürfnisse des Königs. Auch hier
für die Volksrepräsentatton werden uns die jüdischen Beispiele nicht
erspart. Wo solche Repräsentation besteht, da ist nach Aristoteles
eine legitime Monarchie vorhanden. Ohne sie ist keine Monarchie,
sondern Tyrannis da. Und sie ist noch überall vorhanden, in Polen,
im deutschen Reiche, ja selbst in Erbmonarchien wie Frankreich (S. 75).
Die großen Reichswürdenträger stehen den königlichen Beamten ge-
genüber, das Parlament von Paris hat die Gesetze erst zu registri-
ren, ehe sie Geltung haben, doch greift Languet hier lieber, wie
Hotoman auf die ältere Zeit zurück und geht dann rasch auf
Arragonien und England über, wo penes Parlamentum quotannis
fere haberi solitum summa rerum est. Languet erklärt sich dann
gegen die Ansicht, als wenn eine solche Beschränkung der königlichen
Gewalt ihre Entwürdigung wäre. Die Fürsten werden dadurch ver-
hindert Unrecht zu thun und sich selbst ins Verderben zu stürzen.
Mit Heftigkeit wird dann die Meinung bekämpft, durch Ver-
jährung sei das Volk um seine ursprünglichen Rechte gekommen. Zwar
sei augenblicklich die königliche Macht (man sieht, hier spielt er auf
Frankreich an) regum audacia optimatum partim praevaricatione
partim ignavia absolut geworden, aber dem Volk kann sein Recht
nicht durch Verjährung verloren gehen, da ja selbst dem Fiseus gegen-
über keine Verjährung gilt. Wie das Volk vor 500 Jahren die freie
Wahl des Königs und die Gewalt über ihn gehabt, so muß auch

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