Full text: Volume (Bd. 3 (1856))

Müller: Vico'S Buch de universi juris etc.

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Beschneidnng und Taufe einen Bund mit Gott, allein dieß ist etwaS
Anderes. Wehrt dem gottlosen Fürsten die Vertretung des Volks,
die Optimates, so hat der Einzelne sich an sie anzuschließen wie Jsreal
dem Jojadas gegen die Tyrannei und den Götzendienst der Athalia;
wo nicht, muß man bei gottlosen Znmuthungen siiehen (in aliam
civitatem se recipiant 8. 53), wenn man nicht fliehen kann, lieber
sterben als Unrecht thuu. Nur wer als ein von Gott auserwähltes
Rüstzeng erscheint, mag auch als Einziger den gewaltthätigen Wider-
stand leisten, aber jeder prüfe sich wobl, ob auch die Voration an
ihn ergangen ist, damit er nicht ins Verderben gehe. So war eö
in Deutschland mit den Duasi-Heiligen von Münster. Languet
glaubt beinahe zn viel zur Beschränkung gesagt zu haben und fügt
hinzu den Gedanken, der eine Hoffnung birgt oder kaum verbirgt:
Nee eo quidem id dico, quod idem ille Deus, qui nobis nostro
hoc scculo Pharaones et Aehabos immittit, liberatores etiam ali-
quando aliquos ex ira ordinem non excitet; certe ipsius neque jus-
titiae neque misericordiae quidquam ullo tempore decedit. Man
sieht, hier kämpft ein Kxoriare aliquis mit der Einsicht, daß man
die Meuchclwasfc nicht dem Einzelnen nach menschlicher Einsicht an-
vertrauen dürfe. DaS „man muß Gott mehr gehorchen als den Men-
schen", drängt hier schon fast bis zur Lcgitimirung des Köuigsmords.
Am Schluß der Quaestio secunda widerlegt Languet noch die
Ansicht derer, welche meinen, daß mau die Kirche nicht mit Waffen
vertbetdigen dürfe, und die ihm dabei seine Lieblingsbeweise aus dem
alten Testamente als der Zeit deö Gesetzes angehörig und unanwend-
bar für das heutige Reich der Gnade nicht gestatten wollen.
Die Quaestio tertia ist der eigentliche Sitz des Lang»et'schm
Staatsrechts: An et quatenus Principi Kempublieam aut opprimenti
aut perdenti, resistere liceat? Den Eingang bildet der Gegensatz
zwischen guten und schlechten Fürsten, Keges und Tyranni; letzteren
müsse mißfallen was folge; ebenso nothwendig aber müßten die Könige
de» Grundsätzen ihren Beifall geben: was die Tyrannen bekämpfe,
schütze die Könige. Languet beweist alsdann durch historische Bei-
spiele, daß die Könige ihre Gewalt vom Volke haben (Dicimus po-
pulum Reges constituere). Sie sind von keinem anderen Stoffe
als das Volk selbst und müssen den Nutzen des Volks als ihre Le-
bensaufgabe ansehen. Die jüdische Geschichte lehrt ihn dann, daß
das Königthum dort si stirpem spectas haereditarium, si perso-

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