Full text: Volume (Bd. 5 (1859))

70 Tcmme: Martin'S Lehrbuch d. deutschen flcm Criminalprozesse-.
tigung des von Tenne beendigten und ergänzten Martin'schen
Lehrbuchs des gemeinen Strafprozesses zu erörtern übrig.
Zunächst müssen wir darlegen, wie der Strafprozefi überhaupt
jetzt auf Universitäten gelehrt werden muß. Darüber, daß über-
haupt der gemeine Strafprozeß noch gelehrt werden muß, und zwar
bis stch eine neue Theorie des Strafprozesses gebildet hat, kann nach
dem Vorhergehenden kein Zweifel mehr sein, es fragt sich nur, ob
überhaupt daö neuere Strafprozeßrecht gleichfalls mit in der Theorie
des Strafprozesses, und eventuell, wie cs dabei mit vorgetragen wer-
den müsse und könne.
Ghe das neuere Strafverfahren in Deutschland eristirte, gab es
bneits in vielen Landern theils gesetzliche vollkommene Strafprozeß-
systeme, theils einzelne nur besondere Vorschriften, z. B. Beweisthco-
rieen enthaltende Particulargesetze. Schon diese pflegten sowohl in
den Compendicn als auch in den akademischen Vorlesungen mit be-
rücksichtigt, und theils zum Beleg der gemeinrechtlich geltenden Sätze,
theils als Abweichungen davon mit aufgeführt zu werden. Nachdem
nun diese Gesetze durch die Reformgesctze und neuen Prozeßordnungen
aufgehoben und ersetzt worden sind, dürften die letzteren in derselben
Weise wie ihre Vorgänger mit in Berücksichtigung gezogen und zum
Thetl im Text, zum Theil in den Anuierkungen der Lehrbücher des
gemeinen Strafprozesses kurz erwähnt werden, so daß sie nur einen
untergeordneten Platz einnehmen und nur zur Vergleichung dienen.
Zn dieser Weise ist das M artin'sche Lehrbuch, welches vorzugsweise
zrl academischen Vorlesungen von dem nunmehr verstorbenen Verfas-
ser als Grundriß gebraucht, wozu aber Dictate gegeben wurden, be-
handelt; auch in Heffter's Lehrbuch werden einige neuere Prozeß-
ordnungen nur in den Noten gelegentlich erwähnt. Allein diese Be-
handlung des neueren Strafverfahrens (s. z. s.) 0» basatolle, kann für
den gegenwärtigen Standpunkt der deutschen Gesetzgebung und der
Strafrechtswissenschaft nicht mehr genügen, sondern cs wird mehr
verlangt.
Wir können dem gemeinen Strafprozeß seine wissenschaftliche,
namentlich aber seine propädeutische Bedeutung zum Vcrstänoniß des
neueren Strafprozeßrechts nicht absprcchen, aber wir müssen nach der
gegenwärtigen praktischen Ausübutig des davon zum Theil abweichen-
den neueren Strafverfahrens auch zugeben, daß dieses von solcher
Bedeutung ist, daß es dem gemeinen Strafprozeß wenigstens coor-

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