Full text: Kritische Zeitschrift für die gesammte Rechtswissenschaft (Bd. 5 (1859))

Ptfschmann: Observationum ad ius Justinianeum.

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das Richtige treffen: jedenfalls entspricht die Terminologie deponere
einerseits und repudiare andrerseits dem Dogma der verschiedenen
Schulen. — Es ist hier Gelegenheit, einen Ausspruch Fittings,
über den Begriff der Rückziehung S. 15. 37, zu berichtigen. Der-
selbe sagt: „Nach der int corpus iuris angenommenen Ansicht der
Sabinianer kommt die per vindicationem legirte Sache zwar unmtt-
- telbar mit dem Erbschaftsantritt in das Eigenthum des Legatars,
aber eigentlich ist doch die Sache zweifelhaft; denn schließlich kommt
Alles auf die spätere Erklärung des Legatars an". Die Ansicht der
Sabinianer ist aber schon von Piuö verdrängt, Gaius II, 195, und
alle von Fitting angezogenen Stellen bezeugen nur die Ansicht der
Proeulianer: nur diese brauchten den Begriff der Rückziehung, nicht
die Sabinianer. Daß gleichwohl das legatum,, noch uicht erworben,
auf die Erben des Legatorö übergeht, darf nicht irre machen, Pauli
sent. III, 6 § 7, der ebenfalls nur die Meinung der Proeulianer
referirt. Fitting ist hier ungenau und hätte für seine Darstellung
besseren Gebrauch von der römischen Dogmengeschichte machen können.
Wie sehr auch die maßvolle Beschränkung des Verf. zu loben ist, so
ist doch zu bedauern, daß er andere Fragen, die 1. 12 D. cit. und
Gaius II, 195 anregen, nicht ausgenommen hat.
Die zweite Abhandlung betrifft das legatum sinendi modo duo-
bus disiunctim relictum zu Gaius II, 215. Die Einen (wohl Pro-
eulianer, wie der Verf. gut vermuthet) „putant utrisque solidum
deberi sicut per vindicationem“; nonnulli occupantis esse melio-
rem conditionem aestimant. Mart übersetzte utrisque solidum de-
beri mit singulis solidam rem deberi; damit wurde sicut per vin-
dicationem unhaltbar und die Eorreetur per damnationem nöthig
wegen Gaius II, 205. Aber die Lesart per vind. ist unzweifelhaft,
und so wird die Aenderung sehr bedenklich. Das ist schon ein ge-
wichtiger Grund für die Lesart des Codex Veronensis. Bedeutender
noch ist die Natur des legatum sinendi modo, die doch zuletzt über
Wort und Sache entscheidet; und diese ist vom Verf. vortrefflich ent-
wickelt. Es ist bekannt, daß das legatum per vindicationem, gleich-
viel ob coniunctim oder disiunctim, den Eollegataren in solidum zu-
fällt, so daß concursu partes Laut. Das ist auch das Recht beim
legatum sinendi modo, wie aus Fr. Vat. § 85 direkt, aus 1. u.
C. de cad. toll. 6, 51 — in uno tantummodo rel. indirekt hervor-
sseht. So rechtfertigt sich: utrisque solidum deberi sicut per via-

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