Full text: Volume (Bd. 5 (1859))

Knapp: System der Recht-phtlosophte.

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für moralisch oder für Laster, dieselben Handlungen für Recht oder
Unrecht aufgefaßt worden sind und noch werden, auch nach jenen
particulären Auffassungen die Begriffe gefälscht werden können; eine
Betrachtung, die der Vers, in §. 109—111 durch den Hinweiß auf
eine Menge Beispiele und Antithesen beleuchtet. Doch: so schließt er
S. 166. Mögen diese in die allgemeine Sittlichkeit sich einhölenden
Absackungen noch so viel von deren Substanz verdrängen, so werden
in ihren particulären also das concrete Interesse der Menschheit schä-
digenden sittlichen Zwang doch immer nur solche Stimmungen zu
Handlungen geschätzt, welche wie Muth, Treue, Ausdauer, Wort-
und Vertraghalten — der Gefammtgattung ebenfalls unentbehrlich und
folglich auf deren anstatt aus der Sondergattung Interesse angewen-
det, allgemein sittlich sind." Das sittliche Begehren (in Recht und
Moral) ist ein sittlicher (Denk-) Proceß, dessen logischer Ausgangs-
punkt die Vorstellung des Gesammt-Interesses (§. 108) bildet, wie
vernünftig oder unvernünftig auch der Inhalt der Vorstellung sein
mag (§. 110). Auf den Umfang der Sittlichkeit haben daher auch
die phantastischen Vorstellungen, welche die Vergesellschaftung aus
überirdische Wesen (einen Gott, Teufel, Engel) auödehnen, einen
Einfluß. Aber auch diese hypertrophische Sittlichkeit geht doch nur
von dem menschlichen, freilich phantastisch mißverstandenen Gattungs-
Interesse aus. Denn abgesehen davon, daß hier ganz offen das
Menschenwohl für Himmel und Erde erstrebt wird, verrathen sich
diese Gebote des BetenS und Glaubens als Hülss-Hypothesen zur
Verstärkung der irdischen Sittlichkeit und werden im Gattungs-Inte-
resse unter den moralischen und den Rechtsschutz gestellt (§. 109,
S. 161).
Da nnn jede sittliche That die Resultante der gesellschaftlichen
Reaktionen gegen die Resultante der gesellschaftswidrigen Triebe ist;
— und die allgemeinen sittlichen Regeln auf einer Durchschnittsbe-
rechnung beruhen, (die also die AuSnahmsverhältniffe unentschieden
läßt und jeder nur durch seine eigenen Neigungen bestimmt wird) so
wird daS sittliche Urthctl über eine Handlung überhaupt nicht nach
vorher gemachten Regeln, sondern nur durch die Betrachtung der
Wirklichkeit gefällt — und deßhalb ist das endliche und haltbare Ur-
theil über eine jede Handlung, wie diese selbst, ein Individuum (§.
114). In den verschiedenen Standesausprägungen der sittlichen Re-
geln liegt aber für jeden ein treffliches Mittel sich in gegebenen Fällen

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