Full text: Volume (Bd. 5 (1859))

494 Anappr System der Recht-phüosophte.
Eine Art des Denkens ist das Ahnen, d. h. da« unbewußt«
Denken, welches als die ewige, neueste und noch unfaßbare Thätig-
keit, unvermeidlich, allmächtig und unsichtbar ist und in welches alles
Glauben und Wissen (daS phantastische wie das reine) ausläuft und
darin zur Weltanschauung wird (§. 12. 13).
Seine Weltanschauung zeichnet der Verfasser in folgenden Theo-
remen:
1) Alles ist Eines, eS gibt keine letzte Verschieden-
heit (alle Verschiedenheit ist quantitativ.)
2) Alles ist Naturprozeß, d. h. Stoff und Geist stehen
unter demselben Bande der Nothwendigkeit.
3) Aller Naturprozeß ist Mechanismus (der Chemis-
mus ist unbekannter Mechanismus, der Organismus unbekannter Che-
mismus, also doppelt unbekannter Mechanismus.
4) Der Geist ist Naturprodukt und seine Thätig-
keit Selbstthätigkett der Natur.
Empfinden und Denken sind Erscheinungen des Stoffs, die wie
alle übrigen, Licht, Wärme, Anziehung — in jedem Stoff und zu
jeder Zeit thätig vorhanden find, aber erst durch Störung des Gleich-
gewichts bewegt und dadurch erkennbar werden (§. 14.)
Zm Cap. H bespricht er die Philosophie, d. h. deren Grund-
lage, Aufgabe, Ausgangspunkt, ihre Einthetlung (§. 15-26) und
endigt daö Ganze im §. 27 mit rechts-phtlosophischen Folgerungen.
Wahre Wissenschaft ist (§. 15) nur die förmliche Erkenntniß
des Naturgesetzes und der Folgerungen aus Naturgesetzen; sie hat
zwei große Gebiete, daS der Natur und das der geschichtlichen Wis-
senschaften. Mit den ersten sind die mathematischen eines. Der
Gegenstand der letzten ist der Geist — der aber nur ein Phänomen
der Materie ist, weßhalb auch die höchste geschichtliche Wahrheit bet
der Naturwissenschaft zu suchen ist (§. 27), weil sie nur zur Gewiß-
heit erboben werden kann, wenn sie unter die höchsten Wahrheiten
der höchsten Wissenschaft gestellt, d. h. aus Naturgesetzen gefolgert
wird; sonst sind geschichtliche Wahrheiten halbe Wissenschaft.
Die Naturwissenschaft ist daher die durchlaufende Grundlage der
Philosophie (§. 27—28). Ihre Aufgabe muß im Allgemeinen die
Darlegung der Einheit des von ihr zu betrachtenden DenkproceffeS
und des Naturgesetzes sein, welche darauf beruht, daß der Denkpro-

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