Full text: Volume (Bd. 5 (1859))

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Der Windschcid-Muther'sche Streit.

sie Jemanden eine actio zuschrteben. Das Klagrcdbt in dem Sinn
von Anspruch auf gerichtlichen Schutz und die besonderen Grundsätze
über Art und Ertheilung desselben behalten daneben immer ihre Selb-
ständigkeit. Alle die Vorfragen über die Form des Verfahrens über
die persönliche Fähigkeit des Berechtigten vor Gericht anfzutreten u.
a. m. fallen allerdings nicht mit der Rechtspflege zusammen. Kei-
neswegs gehört aber auf dieses Gebiet die Entscheidung, ob dem
Käufer die actio cinti, dem Miether die actio conüueti zusteht, nach-
dem schon das Recht gewisse Ansprüche des Käufers und Miethers
gegen den Verkäufer und Verpächter fcstgestellt bat.
Jndeß giebt Muther seinem Klagrecht wirklich in einer Bezieh-
ung wenigstens einen materiellen Inhalt. Er rechnet nämlich zu den
Competenz desselben die Bestimmung darüber, ob im Fall der Eigen-
thnmsverletzung petitorisch oder negatorisch zu klagen ist. Der
Rechtsanspruch gegen den Verletzer sei unter allen Umständen der-
selbe; nur das Klagrecht sei verschieden, jenachdcm das Eigenthum
total entzogen oder partiell beeinträchtigt werde. Diese Idee bedarf
kaum der Widerlegung. Sie hängt aufs Engste mit der leeren Ab-
straktion zusammen, das Eigcnthum als einen Complex von Ansprü-
chen gegen alle Mitmenschen zu betrachten, denen eine obligatorische
Verpflichtung jedes Einzelnen auf Anerkennung und Nicktstorung ent-
sprechen soll, auf die hier nicht näher eingegangen werden kann.
Durch die Gegenausführungen deö Ree. über die Frage, ob
heutzutage noch ein selbständiges Klagrccht cristirt, wird demnach W.
gar nicht getroffen. Wir glauben auch nicht, daß er nach dieser
Seite angreifbar ist. Anders verhält es sich mit der Bedeutung, die
er der römischen actio giebt. Hier scheint der schwache Punkt seines
Jdeenganges zu liegen.
Ehe wir jedoch zu einer selbständigen Beurtbeilung der W.'scheu
Theorie von der römischen actio übergehen, müssen wir vorausschicken,
daß eine gründliche Würdigung derselben nicht möglich ist, weil wir
nicht sehen, auf welchen Fundamenten sie erbaut, durch welche Er-
wägungen der Verf. dazu geführt ist. Es fehlt ihr gänzlich die Be-
gründung. Kaum viel detaillirtcr als wir sie oben referirt haben,
trägt sie uns W. auf den ersten 8 Seiten seines Buchs vor. Man
könnte denken, daß in den folgenden Abschnitten, die ihre Anwendung
ans die einzelnen Materien enthalten, eine ausführliche Rechtfertigung
gegeben werde. Aber auch hier überwtegt mehr das Bestreben, die

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