Full text: Volume (Bd. 5 (1859))

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Der Wtndscheid-Muther'sche Streit.

derselben wird schließlich in dem Satze rcsümirt: „Man kann eine
actio haben ohne ein Recht zu haben, und keine actio, wenn Einem
ein Recht zusteht." Es scheint nicht als wenn hiermit der volle
Sinn der W.'schen Ausführungen getroffen wäre. Der Kardinal-
punkt derselben ist die prinzipielle Selbständigkeit der actio, die un-
ter allen Umständen von dem Recht unabhängig sein soll. Der von
Muther ausgezeichnete Satz ist allerdings eine nothwcndige Conse-
quenz dieses Prinzips; allein hingestcllt, konnte er aber ebenso gut
eine Zufälligkeit enthalten, daß es im römischen Recht einige Klagen
gab, die keine Rechte voraussetzten, und einige Rechte, denen keine
Klagen zur Seite standen, unbeschadet der Regel, daß wo Recht und
Klage Zusammentreffen, diese von jenem abhängig und durch das-
selbe erzeugt ist. So hat es denn auch Muther anfgefaßt. Er
hält W.'s Ansicht überhaupt nur in Bezug auf das prätorische Edikt
für möglich und erklärt es von vornherein für undenkbar, daß man
in den Civilklagen etwas anderes als nothwendige Ausflüsse des ff,3
civile sehen konnte, obgleich W. ausdrücklich bemerkt, daß auch da,
wo ein ff,8 civile und eine actio Zusammentreffen, die letztere doch
immer rein durch Willen des magistratus da sei. Au den prätori-
schen Klagen wird somit allein eine Widerlegung versucht; auch diese
sollen immer an ein materielles Rechtsverhältniß gebunden sein.
Wenn daher hier auch von dem richtigen Gedanken ausgegangen
wird, daß das magistratische Edikt als eine Art Rechtsguelle zu be-
trachten ist, und daß eben mit dem Ertheilen der actio praetoria daö
zu Grunde liegende Recht sanktionirt wird, so ist damit der Grund-
fehler der W'schen Lehre doch nicht getroffen. Wir werden unten
hierauf zurückkommen.
Außerdem hält aber auch Muther den einmal eingeschlagenen
Weg der Widerlegung nicht fest, sondern kommt auf merkwürdige
Jrrpfade. So sucht er deu Nachweis, daß bei den Römern die
Klage immer ein materielles Recht, einen Anspruch vorauösetzte, daß
das Recht das peius, die Klage das Erzeugte war, folgendermaßen zu
führen: Der praetor giebt die formula nur unter gewissen Beding-
ungen. Zu diesen Bedingungen gehört auch, daß der Kläger vom
Verklagten etwas verlangt, was dieser zu gewähren sich weigert, daß
der in Anspruch Genommene nicht schon vor dem Prozeß dem An-
sprechenden gerecht wird. Es muß also schon vor der actio ein An-

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