Full text: Volume (Bd. 5 (1859))

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Der Wtndschetb'Muther'sche Streit.

Die Klage ist nach unfern Begriffen ohne alles selbständige Sein
und Leben, sie ist nur ein Ausfluß, ein Schatten des Rechts, von
dem allein sie ihre Bedeutung herleitet. Es ist daher entschieden
undeutsch, zur Bestimmung rechtlicher Verhältnisse auch jetzt noch die
römischen Klagnamen beizubehalten. Diese gegenseitige Verfälschung
des römischen und modernen Rechtsbewußtseins aufzuklären, die Lehre
von der Klage und die angrenzenden Theile der Rechtswissenschaft
von der richtigen Auffassung der römischen actio auö einer Revision
zu unterwerfen, dies bezeichnet der Verf. als den leitenden Gedanken
seines Buchs.
Den ganzen zu bewältigenden Stoff hat er in folgende Abschnitte
getheilt: Gegensätze in der actio, Untergang der actio, Verwirklick-
ung der actio (Lit. cont. und Urtheil), endlich Uebergang der actio
(namentlich d. Ceffion).
Ebe wir jedoch auf das Einzelne eingehen, wird es von Zn-
tereffe sein, den Reeensenten über Windscheids Grundgedanken
zu hören.
Zuerst sucht er dem Verfasser einen Widerspruch in seinem gan-
zen Gedankengange nachznweisen. Wenn unsere bisherige Jurispru-
denz, so argumentirt Muther, den modernen Begriff der Klage in
das römische Recht hineingetragen und umgekehrt unserem beutigen
Rechtsbewußtsein das römische Klagrecht aufgedrungen hat, so kann
entweder eine Differenz der römischen und der modernen Anschauung
gar nicht bestehen, und von einer Verfälschung der einen durch die
andere nicht die Rede sein, oder unsere Juristen haben ein bloßes
Phantasiegebilde eonstruirt, das weder mit der modernen Klage, noch
mit der römischen Actio etwas gemein hat. Wenn der Jrrthum con-
sequent sein müßte, und nicht fast regelmäßig in einer Vermengung
verschiedener Begriffe bestände, so hätte der Recensent Recht.
Ferner hält er auch einen großen, ja den größten Theil von
W.'s Untersuchungen für überflüssig. Wenn es seine Absicht sei,
das heutige Rechtsbewußtsein in seiner Reinbeit herzustellen, so ge-
nüge es ja zu wissen, daß die römische actio etwas anderes gewesen
sei als unsere Klage. Die besonderen Eigenthümlichkeiten derselben
seien gleichgültig, und ihre Erörterung hätte recht wobl unterbleiben
können. Eine seltsame praktische Anforderung an die Wissenschaft!
Mit merkwürdiger Heftigkeit werden die positiven Ausführungen
W.'s angegriffen, von denen in jeder nur denkbaren Beziehung das

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