Full text: Volume (Bd. 5 (1859))

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Der Windscheid-Muther'schc Streit.

den glaubt, dem man nicht die volle wissenschaftliche Gleichberechtig-
ung einraumen will, der ganze Ton der Polemik gewinnt etwas
Animirtes, Feindseliges, so sehr, daßMuther schon in der Vorrede
sich gegen den Vorwurf „persönlicher Gereiztheit, Abneigung oder
Haß" verwahren zu müssen glaubt, gewiß das sicherste Mittel, der
aufgebrachten Stimmung des Recensentcn, wenn auch nicht gegen die
Person, so doch gegen die Richtung Wind sch eid's dev vollsten
Eindruck zu verschaffen, der übrigens auch durch die magere Aner-
kennung, die Wtndscheid erst in den 4 letzten Zeilen des ganzen
Buchs erfährt, eher gehoben als gemildert wird.
Die eben geschilderte Eigenthümlichkeit der Muther'schcn Kri-
tik ist es auch allein, die Windscheid zu seiner Replik: „die Actio.
Abwehr gegen I)r. Th. Muther", veranlaßt hat. Er hat fürch-
ten zu müssen geglaubt, daß „die starken Worte" seines Gegners
dem Publikum gegenüber leicht die „Schwachheit seiner Gründe"
verdecken konnten, und eS für eine Pflicht gegen sich selbst gehalten,
„dafür zu sorgen, daß er nicht in ungünstigerem Licht erscheine als
er verdiene." Und zwar hat er seinerseits sich diesmal nicht mit der
Stärke der Gründe begnügt, er hat auch die Stärke, sogar die Bit-
terkeit der Worte zu Hülfe gerufen, die nicht verschmäht, über per-
sönliche Qualitäten des Gegners Schlüsse zu ziehen. Zn der That,
der Ton, den Wtndscheid hier anschlägt, wird nur durch die Art
und Weise gerechtfertigt, in welcher Muther den Kampf begonnen
hat. Soviel genügt es, über den allgemeinen Charakter eines Strei-
tes vorauszuschicken, der die Aufmerksamkeit der juristischen Welt ei-
nigermaßen auf sich gezogen hat. Ein näheres Eingehen, insbeson
dere auf den Gegensatz der beiden Richtungen, die Wind scheid
und Muther mit solcher Energie vertreten, würde eben so über-
flüssig als unfruchtbar sein. Denn einestheils ist über das s. g. hi-
storische und pyilosophische Prinzip der wissenschaftlichen Forschung,
über die Berechtigung und die Gefahren beider schon soviel geschrie-
ben und gestritten, daß es schwer .st, etwas Neues zu sagen. So-
dann scheint sich aber auch immer mehr herauszustellen, daß so all-
gemeine Gesichtspuukte, wie die sind, unter welche unsere beiden
Schriftsteller ihre Bestrebungen bringen, so vieldeutig und unbestimmt
sind, daß sie selbst mehr durch positive von ihnen getragene Leistun-
gen eine feste klare Bedeutung bekommen, als sie für die Beurthei-
lung dieser einen Maßstab abgcben können. Noch häufiger aber ist

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