Full text: Volume (Bd. 5 (1859))

Wächter: Das Verlagsrecht.

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der römischrechtltchen Vertragskatcgorien stellen könne, so ist das in
sofern ganz richtig, als er weder ein bloßer Kaufvertrag, noch ein
bloßer SocteiätSvertrag oder eine Dienstmielhe oder Sachenmiethe oder
ein mandatum in rem des Verlegers ist; allein die Eigenthümlich-
keit besteht doch immer nur in einer eigenthümlichen Combination der
allgemeinen Grundformen aller Verträge, wie sie im römischen Rechte
ausgebildet wurden, und es muß daher die Aufgabe der Doctrin sein
die besondere Natur des Verlagsverirags dadurch zu einer klaren An-
schauung zu bringen, daß man ihn in diese allgemeinen Formen auf-
löst und die eigenthümliche Combination derselben nachweist; denn
nur dadurch wird es möglich, sich der leitenden Grundsätze bei der
Beurthetlung der einzelnen hervortretenden Beziehungen vollständig zu
versichern. Freilich muß man sich dabet wohl hüten, alle Eigen-
thümlichkeiten des römischen ContractSrechtes ohne weiteres auf unsere
Verhältnisse deö modernen Rechtes in Anwendung zu bringen, denn
wir sind in der Hinsicht vielfältig von dem römischen Recht abgewi-
chen. Dies hat unsere Germanisten oft von einer richtigen Anwen-
dung der analytischen Methode abgewendet. Wenn z. B. der Verf.
(S. 246) bemerkt, eS verbinde sich zwar in dem Falle, wenn ein
Verlagsvcrtrag in der Weise geschloffen werde, daß der Gewinn und
Verlust ein gemeinsamer sein solle, mit demselben ein Moment der
Societät, aber im übrigen sei der Verlagsvcrtrag doch nach seiner
eigenthümlichen Natur zu beurtheilen und es leide daher das Socie-
rätsrecht z. B. in Beziehung auf das Erlöschen durch Tod, auf freien
Rücktritt u. dgl. bet ihm keine Anwendung, so vergißt er offenbar,
daß diese Grundsätze überhaupt in unscrm heutigen Recht nur in ei-
ner sehr beschränkten Weise Eingang gefunden haben. — Daß Ref.
in Beziehung auf das, waS der Verf. (§. 23) üoer den Gegen-
stand des Verlagsrechts bemerkt, nicht ganz übereinstimmen
kann, bedarf kaum der Erinnerung. Der Verlagsvertrag ist ein zwei-
seitiger Vertrag; der Autor überträgt auf den Verleger ein Recht
der Nutzung und der Verleger übernimmt andernseitS die Verbind-
lichkeit der Vervielfältigung und Veröffentlichung des Erzeugnisses.
Ueber die rechtliche Natur der mehr oder weniger ausschließlichen
Nutzung des Verlegers spricht sich der Verf. (0. 253 Anm.) nur in
sofern aus, als er den dinglichen Charakter derselben in Abrede stellt;
das ist für ihn ganz konsequent, aber natürlich führt deS Ref. Auf-
fassung des ganzen Verhältnisses zu einer andern Anschauung, die,

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